Die Dodoche in Deutschland:
Und doch: Sie fährt noch immer!

Man sollte nicht glauben, die Begeisterung der Deutschen für die 2CV beruhe auf einer sprachlichen Nähe zwischen deutsch und ihrem volkstümlichen Kosenamen la deuche. Das wäre zu simpel. Die Deutschen sprechen lieber von der „Ente“, mitunter sogar vom „hässlichen Entlein“. Der Ausdruck ist dennoch liebevoll gemeint.
Die Geschichte dieses Fahrzeugs, das 1936 unter dem Namen TPV (Toute Petite Voiture/„ganz kleines Auto“) konzipiert wurde und mehr als fünf Millionen Mal produziert wurde, geht über die eines einfachen Autos hinaus: Es ist die Geschichte eines Mythos. Die ersten Verkäufe außerhalb Frankreichs erfolgten im Jahr 1952, dem Jahr, in dem auch die ersten Liebhaberclubs entstanden. Die ursprüngliche Werbeaktion begann im Departement Loiret, in Orléans, mit der Gründung des Club des 2CV de l’Orléanais, der bis heute aktiv ist. Später wurde sie durch die Association Nationale des 2CV Clubs de France gefestigt, die seit 1975 weltweite Treffen organisiert – eines davon fand bisher nur in Deutschland statt: 1983 in Xanten, mit der Teilnahme von 1.500 Fahrzeugen.
Die Ente findet sich nicht wirklich zurecht
Der Weg zum Ruhm war dennoch lang. Während des Zweiten Weltkriegs existierten die ersten 250 Exemplare nur als Prototypen; viele wurden zerstört, andere in der Auvergne versteckt – erst 1948 tauchten sie wieder auf. Diese Wiedergeburt betraf jedoch nicht Deutschland, obwohl dort bereits seit 1927 eine Citroën-Fabrik in Poll existierte (heute ein Stadtteil von Köln). Bis 1935 hatte sie erfolgreich 18.710 Fahrzeuge „Made in Germany“ produziert, dazu kamen rund 1.500 Nutzfahrzeuge, darunter die Kégresse P17 – ein Kettenfahrzeug, das zwischen 1930 und 1938 von der französischen Armee als Artillerie-Zugmaschine eingesetzt wurde und nach Juni 1940 von der Wehrmacht unter dem Namen Zugkraftwagen übernommen wurde.

Produktion von Citroën-Fahrzeugen in Köln eingestellt. Die Montageanlage, die damals mehr als 1.800 Traction Avant fertigte – später berühmt als Fahrzeuge der Résistance oder als Banditenautos im Kino –, beschränkte sich fortan auf Reparaturen. 1940 wurde sie zugunsten der Kriegsproduktion an die Klöckner-Humboldt-Deutz-Werke enteignet. Nach dem Krieg kehrte Citroën in die Rheinmetropole zurück: 1952 eröffnete ein Verkaufszentrum, 1959 wurde eine GmbH gegründet, die 2013 ihre Tätigkeit einstellte. Die Montagehallen lagen in der Nikolausstraße, die 1969 zu Ehren des Firmengründers André Citroën (1878–1935) umbenannt wurde.

Gemischte Resonanz
Die deutsche Presse war gegenüber diesem Fahrzeug nicht gerade gnädig. 1952 bezeichnete Der Spiegel die 2CV als „eine Mischung aus Sardinenbüchse und Pissoir“ und schrieb, sie sei „vermutlich das hässlichste Auto der Welt“. Im Magazin Stern beschrieb der Schriftsteller Alexander Spoerl (1917–1978) sie 1958 als „Jeep des zivilen Alltags“. Ein Jahr später kritisierte die vom deutschen Automobilclub ADAC herausgegebene Motorwelt vor allem den zu hohen Preis (4.750 Mark) – unter dem Motto „für das, was es ist“. Bis Ende der 1950er-Jahre hatte praktisch keine 2CV in Deutschland einen Käufer gefunden.

Die Originalität des Fahrzeugs, das 1948 von den Niederländern als „hässliches Entlein“ bezeichnet worden war – eine Anspielung auf das Märchen von Hans Christian Andersen –, weckte jedoch nach und nach Interesse. Selbst die strengsten Kritiker räumten ein, dass dieses eigenartige Gefährt, in der deutschsprachigen Schweiz als Döschwo bekannt, zwar einiges kostete, im Alltag aber erhebliche Einsparungen ermöglichte.
Citroën bereitete die Einführung einer Exportversion vor, die erstmals über korrekt öffnende Türen verfügte. Die Produktion war 1949 auf 876 Modelle begrenzt, zunächst vollständig französisch und somit für deutsche Käufer kaum zugänglich – mit Ausnahme des Saarlands, das am 1. Januar 1957 zum zehnten Bundesland wurde, aber bis zum Sommer 1959 von der französischen Zollunion abhängig blieb.
Später Aufstieg
Die letzte 2CV, die 5.114.961. Einheit, verließ am 27. Juli 1990 um 16 Uhr die Montagehallen in Mangualde (Portugal). Doch das „hässliche Entlein“ schlägt nicht die Flügel nieder: Es lebt weiter dank zahlreicher Enthusiasten, vor allem in Deutschland, die ihren „Regenschirm auf Rädern“ liebevoll pflegen. Diese „Deuchisten“ beschränken sich nicht auf den Austausch von Tipps und Reparaturlösungen. Sie organisieren auch Rallyes, Seminare und Ausstellungen weltweit – nach dem Vorbild des Club des 2CV de l’Orléanais. 1988 tauchte sogar eine 2CV in den Farben der deutschen Polizei im Fernsehen auf. Es wurden zwei Versionen geschaffen: eine mit dem Schriftzug Polizei, die andere mit dem Neologismus Polente, einem niederländischen Wortspiel.

Im Schleswig-Holstein zeigt der Club Citroën der Freunde der Dodoche Norddeutschlands den verspielten und liebenswerten Geist seiner Mitglieder: Das Club-Logo kombiniert eine 2CV-Karikatur mit einer Möwe, dem beliebtesten Vogel der Region. Vom 29. Juli bis 2. August 2026 richtet der Club sein 11. internationales Treffen (Deutsches Ententreffen – DET) in Kropp aus, einem kleinen Ort zwischen Nord- und Ostsee. Die vorherige Ausgabe (2024) fand in Gedern in Hessen statt.
Jährlich veranstalten zahlreiche deutsche Citroën-Clubs, national wie regional, Treffen für ihre Mitglieder – sowohl im Inland als auch im Ausland. Diese geselligen Zusammenkünfte finden meist auf Campingplätzen oder privaten Höfen statt und bieten Gelegenheit, die ungebrochene Leidenschaft für die 2CV zu teilen.
Es ist Liebe!
Mehr als 35 Jahre nach Produktionsende ist die 2CV immer noch unterwegs – sie fährt und fährt und fährt, ganz wie es einst der Volkswagen-Slogan über den Käfer versprach. Noch heute wecken die alten (gebrauchten) Fahrzeuge Bewunderung. Manche stehen jedoch fest auf dem Boden und verwandeln sich in Originaldenkmäler. So zum Beispiel der umweltbelastende Trabant der ehemaligen DDR, der seinen Platz im Pantheon der legendären Karosserien gefunden hat. Seit 1998 thront er, gekrönt von einem Storchennest, über einem Feld in Bechlin an der Straße nach Neuruppin in Brandenburg. Selbst die Störche haben ihn adoptiert.
Der Autor

Gérard Foussier schloss 1969 sein Germanistikstudium an der Universität seiner Heimatstadt Orléans ab, und entdeckte durch die Städtepartnerschaft mit Münster in Westfalen seine Leidenschaft für die deutsch-französischen Beziehungen. Nach seiner Journalistenausbildung bei den Westfälischen Nachrichten arbeitete er drei Jahrzehnte lang für den deutschen Auslandssender Deutsche Welle – zunächst in Köln, später in Bonn. 2005 wurde er zum Präsidenten des Bureau International de Liaison et de Documentation (B.I.L.D.) gewählt. Dreizehn Jahre lang leitete er die zweisprachige Zeitschrift Dokumente/Documents als Chefredakteur und ist Autor mehrerer Bücher. Sein jüngstes Werk, „Allemanderies“, erschien im Januar 2023. Gérard Foussier besitzt die doppelte Staatsbürgerschaft und wurde mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
