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Corona-Ampel

grün, orange, rot

Von Birgit Holzer

Ein Gargoyle schaut mit Maske von der Kathedrale Notre-Dame auf „das rote Paris“. Fotomontage, © Viacheslav Lopatin, Shutterstock

18. September 2020

Frankreich setzt bei der Bekämpfung und Eindämmung der Corona-Epidemie nunmehr wie Deutschland auf regionale und lokale Maßnahmen. Alle 101 Departements werden je nach Infektionslage ständig neu klassifiziert, um einen erneuten landesweiten Lockdown zu verhindern – aus politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Gründen.

Zeitgleich mit der rentrée Anfang September, der Wiederaufnahme des täglichen Lebens am Wohnort, dem Schulbeginn und der Rückkehr an den Arbeitsplatz nach der Urlaubszeit, stieg die Zahl der französischen Departements, in denen das Coronavirus besonders verbreitet ist, kontinuierlich an. In jüngster Zeit wurden landesweit jeden Tag deutlich über 10.000 Neuinfektionen gezählt. Ein Ampel-System teilt die Departements aktuell in Gefahrenzonen auf.

Rot

Als „rot“ (= vulnerabilité élevée) werden jene Gebiete eingestuft, in denen sich innerhalb einer Woche mehr als 50 von 100.000 Einwohnern mit dem Virus infiziert haben. Weitere Maßstäbe sind der Anteil der positiven Tests, die Reproduktionszahl des Virus und die Belegungsrate der (Intensiv-)Stationen in den Krankenhäusern.

In den „roten“ Regionen erhalten die Präfekten durch ein Dekret von Premierminister Jean Castex weiterreichende Kompetenzen. In Abstimmung mit den Bürgermeistern und den regionalen Gesundheitsämtern können sie  u. a. den erlaubten Fortbewegungs-Umkreis der Bewohnerinnen und Bewohner auf 100 Kilometer begrenzen, öffentliche Gebäude wie Einkaufszentren, Sporthallen oder Museen schließen und den Zugang zu Straßen, Parks oder Stränden zeitweise verbieten oder einschränken. Auch Märkte, ob unter freiem Himmel oder in Hallen, kann untersagt werden. Einheitliche Maßnahmen für alle „roten“ Departements gibt es trotz Zentralismus nicht, auch wenn sich die Maskenpflicht selbst im Freien in immer mehr Städten mit über 10.000 Einwohnerinnen und Einwohnern – von Paris über Marseille bis Bordeaux – durchsetzt.

Ein Blick auf die Frankreich-Karte zeigt, dass die Departements mit den großen Metropolen besonders gefährdet sind. Vor allem im Südwesten um Bordeaux sowie der Region Provence-Alpes-Côte d‘Azur (PACA) schreitet die Verbreitung des Virus rasch voran – allerdings betrug der Zeitraum einer Verdoppelung der Fälle Mitte September rund zwölf bis 14 Tage gegenüber drei bis vier Tagen im Februar und März, obwohl inzwischen deutlich mehr Tests durchgeführt werden. Ihre Zahl stieg landesweit auf über eine Million.

Am kritischsten ist die Situation in den Übersee-Gebieten Guyane und Mayotte, die sich mindestens bis 30. Oktober im „gesundheitlichen Ausnahmezustand“ befinden. Hier kann der Premierminister die Mobilität der Bürgerinnen und Bürger einschränken und die Preise kontrollieren, um inflationären Entwicklungen zu begegnen. Alle Personen, die in diese Gebiete reisen oder sie verlassen, müssen sich einem Test unterziehen.

Orange

Die Gefahrenzone „orange“ (= vulnérabilité modérée) gilt für alle Departements, in denen eine weniger aktive Verbreitung des Virus als in den „roten“ feststellbar ist. Hier wird „besondere Achtsamkeit“ gefordert, denn die Heraufstufung auf „rot“ liegt nicht weit. Sie ist bereits ab 30 Infizierten pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern möglich, wenn die Fallzahlen deutlich steigen oder das betroffene Departement geographisch nah an einem „roten“ Departement liegt. Tatsächlich befinden sich die „orangen“ Gebiete fast immer an den Rändern  „roter“ Zonen. Die besonders strikten Maßnahmen, von der Schließung öffentlicher Gebäude bis zu möglichen Bewegungsbeschränkungen, gelten hier noch nicht.

Grün

Die Departements in Frankreich, die sich „im grünen Bereich“ befinden, sind zumeist die ländlichen, in denen die Bevölkerungsdichte geringer ist und wo keine Metropolen in der Nähe sind. Sie befinden sich überwiegend im Zentrum des Landes, teilweise im Norden, aber auch im Westen, etwa in der Bretagne. Spezielle Corona-Maßnahmen werden à la campagne selten beschlossen, allerdings gelten auch hier die landesweit beschlossenen Bestimmungen wie die Maskenpflicht am Arbeitsplatz, Quarantäne im Fall von Symptomen bzw. einem positiven Testergebnis. Diese wurde von 14 auf sieben Tage heruntergesetzt, um „die Akzeptanz zu erhöhen“, sprich, sie damit auch durchsetzen zu können.

Die Strategie der Regierung

Darüber hinaus setzt die Regierung weiterhin auf massives und schnelleres Testen zur Erkennung der Infektionslage. Um die Nachverfolgung von Kontaktpersonen zu gewährleisten, kündigte sie die Einstellung von 2000 zusätzlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an. Zudem will Premierminister Jean Castex Beschäftigte im Gesundheitsbereich und in der Altenpflege bevorzugt testen lassen.

Staatspräsident Emmanuel Macron rief einerseits zur „Achtsamkeit“ auf, warnte aber gleichzeitig davor, in Panik zu verfallen.

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