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Surrealismus und Design

Objekte der Begierde

Von 1924 bis heute

Bocca (Sofa), © Gufram/Studio65, photo: Jürgen HANS Vitra Design Museum

01. Februar 2020

Surrealismus zählt zu den einflussreichsten Kunstbewegungen des 20. Jahrhunderts. Das Vitra Design Museum in Weil am Rhein präsentierte bis Januar 2020 eine große Ausstellung, die den Dialog zwischen Surrealismus und Design umfassend untersuchte.

In seinen traumhaften Bildwelten hatten Alltagsobjekte eine zentrale Bedeutung, sie wurden verfremdet, ironisiert oder zu seltsamen Zwitterwesen zusammengesetzt. So entstanden einige Schlüsselwerke moderner Kunst, darunter Marcel Duchamps „Fahrrad-Rad“ (1913) oder Salvador Dalís „Hummertelefon“ (1936). Doch der Surrealismus gab umgekehrt auch dem Design wichtige Impulse.

Zum ersten Mal wurde gezeigt, wie stark der Surrealismus das Design der letzten 100 Jahre beeinflusst hat – von Möbeln und Interieurs bis hin zu Grafik, Mode, Film und Fotografie. Die Ausstellung umfasste unter anderem Werke von Gae Aulenti, BLESS, Achille Castiglioni, Giorgio de Chirico, Le Corbusier, Salvador Dalí, Dunne & Raby, Marcel Duchamp, Max Ernst, Ray Eames, Front, Friedrich Kiesler, Shiro Kuramata, René Magritte, Carlo Mollino, Isamu Noguchi, Meret Oppenheim, Man Ray, Iris van Herpen und vielen anderen.

Front, Horse Lamp, 2006, © Vitra Design Museum, photo: Andreas Sütterlin

Der Surrealismus wurde 1924 von André Breton mit dem ersten surrealistischen Manifest begründet und entwickelte sich schnell zu einer internationalen Bewegung, der zahlreiche Schriftsteller, Künstler und Filmemacher angehörten. Das Unterbewusstsein, Träume, Obsessionen, der Zufall und das Irrationale waren nur einige der Quellen, aus denen die Surrealisten eine neue künstlerische Realität erschufen. Ab den 1930er Jahren begannen ihre Ideen auch das Design zu beeinflussen, und ab den 1940er Jahren wurde der Surrealismus zu einem wahren Trend, der Mode, Möbel und Fotografie prägte und es bis auf die Zeitschriftencover von „Harper’s Bazaar“ und „Vogue“ schaffte. Bis heute liefert der Surrealismus Designern mannigfaltige Anregungen, sei es mit den Motiven seiner phantastischen Bildwelt, seiner subversiven Herangehensweise oder seinem Interesse an der menschlichen Psyche.

Die Ausstellung „Objekte der Begierde“ stellte Kunstwerke des Surrealismus und Designobjekte einander so gegenüber, dass die faszinierenden Parallelen und Querbezüge deutlich wurden. Unter den hochkarätigen Leihgaben aus dem Bereich der bildenden Kunst waren unter anderem die Gemälde „Das rote Modell“ (1947 oder 1948) von René Magritte, Salvador Dalís „Riesige fliegende Mokkatasse mit unerklärlicher Fortsetzung von fünf Metern Länge“ (1944/45) sowie „Wald, Vögel und Sonne“ (1927) von Max Ernst, aber auch Readymades wie Marcel Duchamps „Flaschentrockner“ (1914) oder „Geschenk“ (1921) von Man Ray.

Die Arbeiten aus dem Design reichten von Werken aus den 1930er Jahren – etwa Meret Oppenheims Tisch „Traccia“ (1939) – bis hin zu heutigen Beispielen, darunter Modeentwürfe von Iris van Herpen, Objekte von Front, Konstantin Grcic oder Odd Matter sowie Projekte des Critical Design, die neue Technologien oder Geschlechterrollen auf subversive Weise hinterfragen. Sie alle zeigen, dass es im Design der letzten 100 Jahre nicht nur um Funktion und Technik geht, sondern auch um die versteckte Realität hinter den Dingen, um verborgene Träume, Mythen und Obsessionen – eben um das Sur-Reale.

Vitra Design Museum

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