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Sars-CoV-2

Frankreich im Ausnahmezustand

Von Birgit Holzer

© Unsplash

08. August 2020

„Wir sind im Krieg!“ Sechs Mal wiederholte Emmanuel Macron während seiner Fernsehansprache am Abend des 16. März angesichts der Corona-Pandemie seine martialischen Worte, um den Ernst der Lage zu beschreiben. Die Entwicklung der Situation in Updates am Ende des Beitrags.

Schritt für Schritt verschärfen sich derzeit die gesundheitliche, die wirtschaftliche und auch die soziale Lage in Frankreich. Bis dahin hatte noch große Unbeschwertheit im Land vorgeherrscht: viele Menschen waren trotz gegensätzlicher Vorgaben der Regierung im Freien oder auf Märkten unterwegs gewesen. Dabei gelte es mit dem Coronavirus einen „unsichtbaren, nicht greifbaren Feind“ zu bekämpfen, warnte Macron und klang dabei wie ein Feldherr, der zu seiner Armee spricht. „Ich appelliere an alle politischen, wirtschaftlichen, sozialen und zivilgesellschaftlichen Akteure – an alle Franzosen – sich in diesen nationalen Zusammenhalt einzureihen, dank dem unser Land schon so viele Krisen überwunden hat.“

Kontrast zu Deutschland

Was für ein Kontrast zu den behutsamen Worten, die Bundeskanzlerin Angela Merkel zwei Tage später ihrerseits in einer Fernsehansprache, der ersten dieser Art überhaupt, wählte. „Im Moment ist nur Abstand Ausdruck von Fürsorge“, sagte sie unter anderem und warnte ebenfalls vor der außergewöhnlichen Gefahr, die von der Pandemie ausgeht. Dabei verzichtete sie nicht nur auf die eindringliche Sprache Macrons, sondern zunächst auch auf ebenso weitgehende Maßnahmen.

In Frankreich waren – wie in den meisten anderen europäischen Ländern – zum Zeitpunkt der Ansprache des Präsidenten bereits die Schulen, Kindertagesstätten, Universitäten, Restaurants, Museen, Einkaufszentren und andere öffentliche Plätze geschlossen. Nun verkündete er darüber hinaus eine massive Einschränkung der Bewegungsfreiheit und das gleich über mehrere Wochen.

Alle müssen nun außerhäusig eine Bescheinigung vorweisen können, in dem der Grund für den Ausgang (bis zu einem Radius von einem Kilometer; zwei Kilometer auf dem Land) steht. Erlaubt bleibt, das Notwendigste in Lebensmittelgeschäften einzukaufen (deren Kundschaft nur sukzessive in kleinen Gruppen Zugang bekommt, was zu Schlangen vor den Geschäften führt), alleine Sport zu treiben (Ausnahme: Fahrrad fahren), den Hund auszuführen, einen Arzt im Notfall und in Ausnahmefällen aufzusuchen, im Fall einer Trennung seine Kinder zu sehen, anderen zu helfen oder zu arbeiten, falls Homeoffice nicht möglich ist.

Supermärkte, Apotheken (Zugang nur einzeln sowie eingeschränkter Verkauf einzelner Arzneimittel wie Paracetamol) und Tankstellen bleiben vorerst geöffnet, eingeschränkt werden der Betrieb der öffentlichen Verkehrsmittel (SNCF: 15 % der bisherigen Fahrten in der Provinz, 30 % im Großraum Paris); die Post hat Öffnungszeiten und Leistungen reduziert (z. B. sind wegen der Infektionsgefahr keine Einschreibesendungen mit Rückschein möglich); Kundenkontakt zu Bank- und Versicherungsfilialen ist nur per E-Mail oder telefonisch möglich.

Globale Gesundheitskrise

Rund 100.000 Polizisten und Gendarmen im ganzen Land kontrollieren die Einhaltung der neuen Regeln – nicht nur in Paris sogar mit Hubschraubern und Drohnen. Bei Missachtung der Vorschriften wird eine Geldbuße von 135 Euro pro Person verhängt, im Wiederholungsfall 1500 Euro.

Die Nationalversammlung, infolge der Infizierung einiger Abgeordneter dezimiert, rief eine „Gesundheitskrise“ aus. Diese verleiht dem Premierminister außergewöhnliche Befugnisse, z. B. Einschränkungen der Personenfreizügigkeit oder der Versammlungs- und der Gewerbefreiheit. Reformprojekte wie die unpopuläre Rentenreform oder die geplanten Veränderungen der Arbeitslosenversicherung wurden vorerst ausgesetzt.

Alle französischen Städte trafen zusätzliche Maßnahmen wie abendliche Ausgangssperren oder die Schließung von Parks, Ufer- und Strand-Promenaden. Denn immer noch waren dort bis dahin viele sogar in Gruppen unterwegs.

Wie die Tuilerien in Paris wurden alle öffentlichen Parkanlagen in Frankreich geschlossen. © Adobe Stock

Tatsächlich tat sich die Regierung zunächst schwer damit, eine weitestgehende Ausgangssperre zu rechtfertigen, während sie auf Druck von Senatspräsident Gérard Larcher gleichzeitig die erste Runde der Kommunalwahlen am 15. März beibehalten und die Wähler dazu aufgerufen hatte, sich an die Urnen zu begeben – was zu der historisch hohen Enthaltungsquote von 55,25 Prozent führte sowie die Verschiebung des zweiten Wahlgangs in den Städten und Gemeinden, wo kein Bürgermeister die notwendige Mehrheit erhalten hatte, auf einen späteren, noch unbekannten Zeitpunkt.

Beispiele europäischer Solidarität

Nicht nur für diese inkonsequente Entscheidung erntete die Regierung Kritik. In den Krankenhäusern herrschte Mangel an Schutzmasken, die mittlerweile komplett vergriffen und erst in Wochen wieder lieferbar sein sollen. Die Notaufnahmen arbeiten oft bereits seit Jahren am Limit, sodass der Druck wuchs, insbesondere in den schwer betroffenen Gebieten wie der Region Grand Est, die an Deutschland und die Schweiz grenzt, sowie der Hauptstadtregion.

Nachdem es in den ersten Tagen der zunehmenden Epidemie im besonders betroffenen Ostfrankreich keine Hilfen aus den Nachbarländern gab, erklärten sich schließlich sowohl die Schweiz, als auch die deutschen Bundesländer Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und das Saarland dazu bereit, in ihren Krankenhäusern Kapazitäten für französische Corona-Patienten zur Verfügung zu stellen. Auch die französische Armee kam zum Einsatz, z. B. um besonders schwer Erkrankte zu transportieren oder ein Feldkrankenhaus inklusive 30 Intensivbetten in der Nähe von Mulhouse einzurichten.

Am 24. März 2020 waren in Frankreich rund 22.300 Menschen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert, über 1100 starben daran. In den Pflegeheimen des Landes (EHPAD) rechnet man mit 100.000 Toten.

Applaus vom Balkon

Überall in Frankreich entstanden in der Corona-Krise wie in Italien nach kurzer Zeit neue Rituale. Neben „Partys“, bei denen Nachbarn zur gleichen Zeit die Musik aufdrehen und dazu tanzen, setzt sich vor allem die tägliche Hommage für das Krankenhauspersonal durch, das unter Gefährdung der eigenen Gesundheit und trotz höchst angespannter Arbeitsbedingungen unermüdlich im Einsatz ist: Jeden Abend um 20 Uhr wird an offenen Wohnungsfenstern und auf Balkonen geklatscht – ein berührender Moment in diesen Tagen allgemeinen Misstrauens und der Angst.

Das Krankenhauspersonal seinerseits bittet um die strikte Einhaltung der aktuellen Vorschriften, die teilweise immer noch nicht respektiert würden (Fußballspiele Jugendlicher, Ausflüge und Einkaufsfahrten mit dem Auto etc.).

Drohende Finanzkrise

Der französische Staatspräsident rechnet nach der Gesundheitskrise mit einer „nie dagewesenen Finanzkrise, einer echten Wirtschaftskrise“, wie er in einem Interview sagte. Der Wirtschaft versprach die Regierung bereits jetzt milliardenschwere Hilfen, vom Konkurs bedrohten Betrieben Bankkredite. Der Staat lässt die Menschen nicht im Stich, so die Botschaft Macrons. Und: „Wir werden siegen!“

Links

Berichte aus Frankreich, Die Situation in Deutschland, Berichte aus Deutschland

Updates

8. August 2020: insgesamt 235.207 Fälle in Frankreich, davon 121.912 aktiv, 82.968 Genesungen, 30.327 Todesfälle (Quelle: Johns Hopkins University CSSE)

Urlaubszeit = Coronazeit: in Frankreich wurden in der vergangenen Woche laut französischem Gesundheitsministerium über 10.000 neue Corona-Fälle bekannt; davon 2288 vom 7. auf den 8. August – rund 600 mehr als jeweils an den beiden Vortagen. Landesweit gibt es 288 Corona-Hotspots. Zwischen dem 29. Juli und 4. August wurden 593.640 Corona-Tests durchgeführt, 1,7 % davon mit positivem Ergebnis.

Angesichts der steigenden Infektionszahlen wurde die seit dem 20. Juli bestehende Maskenpflicht für über 11-Jährige (die in öffentlichen Verkehrsmitteln, einschließlich Taxis und Fahrdiensten bereits seit dem 11. Mai gilt) auf geschlossene und halboffene Räume ausgeweitet. Seit dem 28. Juli dürfen die Städte und Gemeinden der Departements zudem selbst entscheiden, wo auch im Freien Schutzmasken getragen werden müssen, die mindestens dem Standard AFNOR Spec S76-001 (dem Äquivalent der deutschen DIN-Norm) entsprechen.

Maskenpflicht in einer Fußgängerzone von Lille, © Di Vincenzo / Shutterstock

In weit über 1000 französischen Orten wird von diesem Recht bereits Gebrauch gemacht, darunter in Nizza, Toulouse, Biarritz, Lille und auch Paris – ab 10. August u. a. an den Ufern der Seine, am Canal St-Martin, im Parc de la Villette, in über 100 Straßen der Hauptstadt sowie an belebten Plätzen in den angrenzenden Departements 92, 93, 94 und 95. Zeitgleich erfasst eine Hitzewelle mit Temperaturen von um die 40° weite Teile des Landes.

Bei Verstößen gegen die Maskenpflicht werden Ordnungsgelder von 135 Euro (beim Erstverstoß), 1500 Euro (beim zweiten Mal) und (beim dritten Mal) 3750 Euro sowie eine Freiheitsstrafe von bis zu sechs Monaten verhängt; wer seine Maske nicht im Müll entsorgt und dabei erwischt wird, zahlt ebenfalls ein Bußgeld von 135 Euro. Gesichtsvisiere gelten nicht als Ersatz für Masken, da sie, so das französische Nationalinstitut für Forschung und Sicherheit (INRS), nicht deren Wirksamkeit haben. (JMU)

30. Juli 2020: insgesamt 221.077 Fälle in Frankreich, davon 109.408 aktiv, 81.443 Genesungen, 30.226 Todesfälle (Quelle: Johns Hopkins University CSSE)

Wegen des wie in anderen europäischen Ländern starken Anstiegs von Corona-Infektionsfällen greifen in mehreren französischen Städten striktere Maßnahmen – zuletzt wurden landesweit mehr als 1000 Neuinfektionen täglich gezählt: Im an dem von der Pandemie besonders betroffenen Belgien angrenzenden Departement Nord, in St-Malo, Orléans, Bayonne, Biarritz, La Rochelle u. a. muss nun an bestimmten Orten auch im Freien ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden; einige französische Strände werden nachts gesperrt, um Strandpartys zu verhindern; an den belebten Flussufern von Orléans gilt abends eine Maskenpflicht. (JMU)

20. Juli 2020: insgesamt 211.943 Fälle in Frankreich, davon 102.417 aktiv, 79.371 Genesungen, 30.155 Todesfälle (Quelle: Johns Hopkins University CSSE)

Aufgrund vermehrter Infektionen mit dem Coronavirus weitet die französische Regierung früher als geplant die Maskenpflicht aus: Der Mund-Nasen-Schutz muss ab heute erstmals auch in Geschäften, Banken und anderen öffentlich zugänglichen Räumen getragen werden. Bei einer Missachtung droht ein Bußgeld von 135 Euro. Gesundheitsminister Olivier Véran sprach von landesweit 400 bis 500 Infektionsherden sowie „beunruhigenden Zeichen eines Wiederauflebens der Epidemie“. (JMU)

14. Juli 2020: insgesamt 209.640 Fälle in Frankreich, davon 100.886 aktiv, 78.722 Genesungen, 30.032 Todesfälle (Quelle: Johns Hopkins University CSSE)

7. Juli 2020: insgesamt 205.597 Fälle in Frankreich, davon 98.230 aktiv, 77.444 Genesungen, 29.923 Todesfälle (Quelle: Johns Hopkins University CSSE)

An den Fassaden der Pariser Opéra Bastille hängen seit Anfang Juli Porträtfotos von Menschen, die im Gesundheitswesen arbeiten – eine Hommage des französischen Fotografen JR und des Kollektivs Protège Ton Soignant (Schütze Deinen Pfleger) für alle, die während der Corona-Pandemie in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen gearbeitet haben. © picture alliance / abaca

26. Juni 2020: 162.936 bekannte Covid-19-Fälle in Frankreich; Genesene: 75.649; 517 Neuinfektionen und 248 Genesene im Vergleich zum Vortag; 634 Patientinnen und Patienten müssen beatmet werden; insgesamt sind 29.778 nachgewiesen Infizierte gestorben, davon 19.290 in französischen Krankenhäusern.

Dreieinhalb Monate nach Beginn der Ausgangssperren und sechs Wochen nach deren allmählicher Lockerung hat sich die Situation in Frankreich und auch im Großraum Paris, wo bestimmte Einschränkungen zunächst noch länger als im Rest des Landes galten, weitestgehend normalisiert. Zu einem signifikanten Wiederanstieg der Infektionszahlen kam es nicht.

In der dritten Phase nach dem Lockdown dürfen seit dem 22. Juni Kinos unter Auflagen (Mindestabstände an der Kasse, Belegung der Säle nur zu 50 Prozent, keine Cluster etc.) wieder Besucher empfangen. Auch der Eiffelturm öffnete wieder, wenn auch die Gästezahlen zunächst begrenzt bleiben. Anfang Juli können zudem die großen Museen wie der Louvre wieder besichtigt werden. So hofft gerade die Tourismusindustrie, einen Teil ihrer Verluste ausgleichen zu können. Sportliche Aktivitäten sind wieder in größerem Umfang möglich; es besteht wieder Schulpflicht; an Universitäten ist wieder Präsenzunterricht möglich; Kinderkrippen sind geöffnet. Für Übersee-Frankreich gelten weiterhin andere Regeln.

Ab 1. Juli werden die Grenzen für Urlauber vieler Länder wieder geöffnet sein. Ab 11. Juli sind Stadien für bis zu 5000 Menschen zugänglich; die maximale Kapazität von 5000 Personen bei Großveranstaltungen, Stadien und Konzerthallen bleibt bis zum 1. September in Kraft. Mitte Juli soll eine erneute Überprüfung der epidemiologischen Situation erfolgen das weitere Vorgehen klären.

Um die französische Wirtschaft weiterhin zu unterstützen, verlängerte die französische Regierung die Möglichkeit von Kurzarbeit. Abgesehen von Unternehmen, die in besonders von den Folgen des Virus betroffenen Branchen tätig sind, werden die Zahlungen ab 1. Juli jedoch nicht mehr 100 Prozent betragen, sondern nur noch 85 Prozent; für die Zeit nach dem 1. Oktober ist eine weitere Kürzung geplant.

15. Juni 2020: 157.372 bekannte Covid-19-Fälle in Frankreich; Genesene: 73.034; 152 Neuinfektionen und 185 Genesene im Vergleich zum Vortag; 846 Patientinnen und Patienten müssen beatmet werden; insgesamt sind 29.436 nachgewiesen Infizierte gestorben, davon 19.052 in französischen Krankenhäusern.

Nachdem der wissenschaftliche Beirat, der die französische Regierung in der Corona-Krise berät, bereits Anfang Juni festgestellt hatte, die Pandemie sei in Frankreich „unter Kontrolle“, kündigte Präsident Emmanuel Macron – und diesmal nicht Premierminister Édouard Philippe – am Abend des 15. Juni in einer erneuten Fernsehansprache weitere Lockerungen der bisherigen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie an.

Abgesehen von den Überseegebieten Französisch-Guyana und Mayotte – für die Einreise auch z. B. nach La Réunion gelten besondere Bestimmungen – sei ganz Frankreich nun eine „grüne Zone“, sagte Macron. Im Großraum Paris, der bis dahin als „orange“ eingestuft gewesen war, dürfen die Cafés und Restaurants folglich vollständig öffnen. Besuche in Altersheimen sind wieder möglich und ab 22. Juni wird landesweit der reguläre Unterricht in den Schulen fortgesetzt. Zeitgleich wurden alle Kontrollen u. a. an der Grenze zwischen Deutschland und Frankreich aufgehoben.

Eine Maskenpflicht besteht nach wie vor in öffentlichen Verkehrsmitteln; in Geschäften wird das Tragen einer Schutzmaske nur empfohlen. Bezüglich weiterer Einschränkungen mahnte Macron lediglich, weiterhin wachsam zu sein und vor allem größere Menschenansammlungen zu vermeiden. Offiziell wurde die Einschränkung auf 10 Personen bei Treffen nicht aufgehoben. Doch angesichts von erneut 15.000 Menschen, die am 13. Juni in Paris gegen Rassismus und Polizeigewalt demonstriert haben, ist die Durchsetzung dieser Vorschrift fraglich.

Im Juli will sich der Staatspräsident ausführlicher zur künftigen Strategie äußern. Der französischen Wirtschaft drohen schwere Folgen des zweimonatigen Lockdown: Schätzungen zufolge könnte die Arbeitslosigkeit auf 11,5 Prozent ansteigen und die Rezession zwischen elf und 14 Prozent betragen. Auch die Staatsverschuldung steigt in erheblichem Umfang, da die Regierung die die wirtschaftlichen Folgen der Krise mit annähernd 500 Milliarden Euro abzufedern versuchte.

29. Mai 2020: 149.668 bekannte Covid-19-Fälle in Frankreich; die Zahl der Genesenen beträgt 67.704; im Vergleich zum Vortag werden 597 Neuinfektionen und 513 Genesene gezählt. 1361 Patientinnen und Patienten müssen beatmet werden; insgesamt sind 28.714 an der Pandemie gestorben, davon 18.387 in französischen Krankenhäusern.

Drei Wochen nach der Lockerung der strikten Ausgangsbeschränkungen zog Frankreichs Premierminister Édouard Philippe eine vorsichtig positive Bilanz. Die Situation im Land und in den Krankenhäusern entwickle sich so, dass sie weitere Schritte in Richtung Normalität in einer 2. Phase erlaube.

Vom 2. Juni an können sich alle Franzosen unter anderem wieder weiter als 100 Kilometer von ihrem Wohnort entfernen, ohne wie bisher einen triftigen Grund dafür vorweisen zu müssen; die Parkanlagen öffnen wieder im ganzen Land; auch die sukzessive Wiederaufnahme des Schulunterrichts wird fortgesetzt, die mündlichen Abiturprüfungen finden allerdings nicht statt.

Lediglich im Großraum Paris sowie in den Überseegebieten Französisch-Guyana und Mayotte bleibt die Lage angespannt („zone orange“). In den übrigen, als „grün“ eingestuften Gebieten dürfen u. a. Restaurants und Cafés – unter Beachtung von Abstands- und Hygieneregeln – wieder öffnen, in Paris und den Vororten vorerst aber nur ihre Terrassen. Erst ab 22. Juni sollen in einer 3. Phase weitere Lockerungen erfolgen; die Öffnung der Grenzen für die meisten Länder der EU ist für den 15. Juni vorgesehen.

Parallel zu den Öffnungen gab das Parlament trotz Datenschutz-Bedenken grünes Licht für die Tracing-App „StopCovid“, mit der vor sich in der Nähe befindenden Corona-Infizierten gewarnt werden soll.

18. Mai 2020: 142.903 bekannte Covid-19-Fälle in Frankreich, Zahl der Genesenen insgesamt: 61.728; 492 Neuinfektionen und 515 Genesene im Vergleich zum Vortag. 1998 Patientinnen und Patienten müssen beatmet werden, insgesamt sind 28.239 an der Pandemie gestorben, davon 17.589 in französischen Krankenhäusern.

In der ersten Woche nach Ende der strikten Ausgangsbeschränkungen am 11. Mai wachte das wirtschaftliche Leben in Frankreich zaghaft wieder auf: Baumärkte und Bekleidungsgeschäfte, Friseure und auch kleinere Museen öffneten nach zwei Monaten Zwangspause wieder ihre Türen, während die von Cafés, Restaurants oder großen Museen weiterhin geschlossen bleiben und erst ab Juni ggf. wieder öffnen dürfen. Zu größeren Störungen kam es während der ersten Lockerungen nicht, weder in den öffentlichen Verkehrsmitteln, noch auf den Straßen: Wenn möglich, sollen Angestellte weiter von zuhause aus arbeiten und so dazu beitragen, dass sich das Virus weniger rasch ausbreiten kann.

Kritik an oder Demonstrationen gegen die Maßnahmen, die die Regierung Mitte März getroffen hatte, gab es in Frankreich anders als in Deutschland bislang nicht. Stattdessen drehen sich die Diskussionen stärker um die sozialen Auswirkungen der Krise und die allgemeine Situation in den französischen Krankenhäusern, die schon vor der Pandemie äußerst angespannt war. Nachdem Präsident Emmanuel Macron in diesem Zusammenhang überraschend deutlich bisher gemachte Fehler eingestanden hat, versprach Gesundheitsminister Olivier Véran dem Krankenhaus-Personal über die versprochene Corona-Prämie hinaus künftig höhere Gehälter sowie bessere Arbeitsbedingungen.

11. Mai 2020: 139.519 bekannte Covid-19-Fälle in Frankreich, Zahl der Genesenen insgesamt 56.724; 456 Neuinfektionen und 507 Genesene im Vergleich zum Vortag. 2712 Patientinnen und Patienten an Beatmungsgeräten, insgesamt 26.643 an der Pandemie Gestorbene, davon 16.820 in französischen Krankenhäusern.

Der 11. Mai, Stichtag für die Lockerung der strikten Ausgangsbeschränkungen, wurde in Frankreich lange erwartet. Fortan darf man seine Wohnung wieder länger als eine Stunde, großräumig und ohne Passierschein verlassen. Reisen über eine Strecke von mehr als 100 Kilometern müssen allerdings gerechtfertigt werden.

Bis zu zehn Personen dürfen sich gemeinsam treffen. Geschäfte, Friseursalons, Märkte, kleinere Museen und Buchhandlungen dürfen wieder öffnen. Landesweit gilt eine Schutzmaskenpflicht in den öffentlichen Verkehrsmitteln; im Großraum Paris benötigen alle Fahrgäste zu den Stoßzeiten zudem eine schriftliche Begründung für ihre Fahrt. Wer kann, soll weiter von zuhause aus arbeiten.

Euphemismus „dynamischer Strand“ (plage dynamique); wie hier in Nizza darf man am Meer spazieren gehen, das Verweilen ist hingegen untersagt, © Adobe Stock

Schulen, Kindergärten und Krippen öffnen schrittweise unter Berücksichtigung von Alterklassen sowie der Einteilung der Departements in „grüne“ und „rote Gebiete“ – je nach Verbreitung des Virus und Zahl der Neuinfektionen. Cafés, Restaurants und Kinos in „grünen“ Gebieten dürfen voraussichtlich am 2. Juni wieder öffnen, nicht aber in „roten“, wo striktere Regeln gelten.

Als „rot“ gekennzeichnet ist die Île-de-France mit Paris, der Osten Frankreichs mit den Regionen Grand-Est und Bourgogne-Franche-Comté sowie die Insel Mayotte im Indischen Ozean.

2. Mai 2020: 130.185 bekannte Covid-19-Fälle in Frankreich, 3878 Patientinnen und Patienten an Beatmungsgeräten, insgesamt 24.594 an der Pandemie Gestorbene, davon 15.369 in französischen Krankenhäusern

Die Lockerung der Ausgangssperre in Frankreich wird schrittweise stattfinden – das erklärte Premierminister Édouard Philippe bei der Vorstellung der Exit-Strategie in der Nationalversammlung. Ab dem 11. Mai darf man die Wohnung wieder ohne Passierschein verlassen; um sich mehr als 100 Kilometer von seinem Wohnort zu entfernen, bedarf es weiterhin eines triftigen Grundes.

In Geschäften, die – abgesehen von größeren Einkaufszentren – wieder öffnen dürfen, wird das Tragen einer Schutzmaske empfohlen; in öffentlichen Verkehrsmitteln ist sie Pflicht. Schulen und Kinderkrippen werden nach und nach wieder öffnen, während Cafés und Restaurants mindestens bis Juni geschlossen bleiben sollen.

Die wirtschaftlichen Folgen des Lockdown sind enorm. Innerhalb der ersten beiden Wochen meldeten sich 246.100 Menschen in Frankreich arbeitslos – ein historischer Anstieg um sieben Prozent. Die Regierung hat angekündigt, sowohl die Fluggesellschaft Air France-KLM wie auch den Flugzeugbauer Airbus finanziell zu unterstützen.

24. April 2020: 120.804 bekannte Covid-19-Fälle in Frankreich, 5052 Patientinnen und Patienten an Beatmungsgeräten, insgesamt 21.856 an der Pandemie Gestorbene, davon 13.547 in französischen Krankenhäusern

Durch kontinuierlich sinkende Zahlen bezüglich Toter und Infizierter sowie der Patientinnen und Patienten in den französischen Krankenhäusern entspannt sich die Lage zusehends. Auch das von der Armee betriebene Feldlazarett in der von der Corona-Pandemie besonders stark betroffenen Stadt Mulhouse wurde inzwischen wieder abgebaut.

Im Land mehren sich die Diskussionen über die Zeit nach dem 11. Mai – an diesem Stichtag sollen die Lockerungen der Ausgangssperre beginnen, die seit dem 17. März gilt. Regierungschef Édouard Philippe hat angekündigt, rechtzeitig einen detaillierten Plan dazu vorzulegen. Bereits vorab wurde bekannt, dass die Rückkehr in die Schulen zunächst nicht verpflichtend sein und für die verschiedenen Klassenstufen sukzessive erfolgen werden soll.

Eine Maskenpflicht dürfte nur in den öffentlichen Transportmitteln eingeführt werden. Noch stellt sich die Frage, ob es bis zu einer solchen Vorschrift Schutzmasken in ausreichender Anzahl geben wird – man geht von einem Bedarf von 45 Millionen pro Woche aus. Ab dem 4. Mai sollen in Apotheken waschbare Exemplare in großer Zahl erhältlich sein.

17. April 2020: 165.027 bekannte Covid-19-Fälle in Frankreich, 6248 Patientinnen und Patienten an Beatmungsgeräten, insgesamt 17.920 an der Pandemie Gestorbene, davon 11.060 in französischen Krankenhäusern

Die Fernsehansprache von Staatspräsident Emmanuel Macron am Ostermontag war mit Spannung erwartet worden, denn er wollte die Verlängerung der strikten Ausgangssperre ankündigen: Sie wird bis 11. Mai fortgesetzt. Erst dann sollen die Schulen und Kindertagesstätten des Landes allmählich wieder öffnen und das wirtschaftliche Leben wieder in Gang kommen. Macron zeigte sich verständnisvoll für die Nöte der Bevölkerung in dieser Ausnahmesituation, versprach massive Unterstützung für die Wirtschaft und sozial Schwache und appellierte zugleich an den Zusammenhalt in der Krise.

Tatsächlich zeichnet sich seit einigen Tagen dank der rückläugigen Zahl an Neuaufnahmen und Patienten an Beatmungsgeräten eine Entspannung in den französischen Krankenhäusern ab. Auch nimmt die Zahl der Verstorbenen im Vergleich zu vorherigen Zeiträumen ab. Für eine Entwarnung oder Lockerung der Maßnahmen ist es Experten zufolge jedoch noch zu früh.

Um der Zunahme häuslicher Gewalt entgegenzuwirken, können Betroffene nun in Supermärkten und Apotheken diskret um Hilfe bitten – viele Frauen wagen es während der Ausgangssperre nicht mehr, die übliche Notrufnummer zu wählen.

10. April 2020: 86.334 bekannte Covid-19-Fälle in Frankreich, 7066 Patientinnen und Patienten an Beatmungsgeräten, insgesamt 12.210 an der Pandemie Gestorbene, davon 8044 in französischen Krankenhäusern

Zum ersten Mal seit Mitte März gab es ermutigende Nachrichten aus den Kliniken Frankreichs: Endlich sank die Zahl der Patienten, die künstliche Beatmung brauchten – für Experten ein wichtiges Signal dafür, dass der Druck auf das Gesundheitssystem nachlässt. Auch stieg die Zahl der Menschen, die aufgrund ihrer Infizierung mit dem Coronavirus ins Krankenhaus eingeliefert wurden, weniger stark an.

Die Regierung erklärte, dies sei eine positive Folge der strikten Ausgangsbeschränkungen, allerdings noch kein Signal, diese zu lockern. In Paris und einigen benachbarten Départements wurde vielmehr sogar das Joggen zwischen 10 und 19 Uhr verboten. Dennoch mehren sich die Stimmen, die vor den harten Konsequenzen einer allzu lang ausgeweiteten Ausgangssperre warnen: Der Banque de France zufolge sank das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes im ersten Trimester um sechs Prozent. Den Weg aus der Krise will Präsident Emmanuel Macron am Ostermontags in einer Fernsehansprache aufzeigen.

3. April 2020: 59.105 bekannte Covid-19-Fälle in Frankreich, 6399 Patientinnen und Patienten an Beatmungsgeräten, 4503 allein in französischen Krankenhäusern an der Pandemie Gestorbene

Es ist ein Tag für Tag bedrückendes Ritual in Frankreich seit Beginn der Coronavirus-Krise geworden: Jeden Abend gibt Gesundheitsdirektor Jérôme Salomon die neuen offiziellen Zahlen bekannt, die immer weiter gestiegen sind (laut Johns-Hopkins-Universität gibt es bis heute rund 6500 Todesfälle). Die Regierung hat klar gemacht, dass erst bei rückläufigen Zahlen an ein Ende der Ausgangssperre zu denken sei. Eine Lockerung werde voraussichtlich nicht „auf einmal, überall und für alle gleichzeitig“, sondern wohl sukzessive stattfinden, sagte Regierungschef Édouard Philippe.

Die Verlegung schwer an Covid-19 Erkrankter in regionale Krankenhäuser mit freien Kapazitäten erfolgt u. a. in umgerüsteten Hochgeschwindigkeitszügen (TGV) der französischen Staatsbahn SNCF. © Ministères sociaux / DICOM / Jacques Witt / Sipa Press

Nach der grenznahen Region Grand Est, die besonders viele Covid-19-Fälle beklagt, gerät die Hauptstadtregion mehr und mehr unter Druck. Seitdem die dortigen Krankenhäuser an der Belastungsgrenze angelangt sind, werden zunehmend schwer Erkrankte in Regionen transportiert, die noch freie Kapazitäten haben. Zugleich kamen bereits 300 Krankenschwestern und Pfleger aus allen Landesteilen nach Paris, um ihren Kolleginnen und Kollegen in der Hauptstadt zu helfen.

27. März 2020: 33.402 bekannte mit dem Corona-Virus Infizierte, 1995 damit verbundene Todesfälle allein in französischen Krankenhäusern

Nach fast zwei Wochen Ausgangssperre in Frankreich gibt Premierminister Édouard Philippe keine Entwarnung – ganz im Gegenteil. Sie müsse auf jeden Fall bis mindestens 15. April verlängert werden, sagt er am Freitag, 27. März. „Wir sind immer noch am Anfang der epidemischen Welle“, begründete Philippe die Entscheidung. Der am selben Tag veröffentlichten Bilanz zufolge war die Zahl der Infizierten in Frankreich erneut um 13 Prozent angestiegen; allein seit gestern starben 300 in französischen Krankenhäusern an der Seuche; erstmals befand sich unter den Todesopfern auch eine 16-Jährige, was landesweit große Betroffenheit hervorrief.

Frankreich bereitet sich auf den Höhepunkt der Epidemie an diesem Wochenende vor, der Experten zufolge mindestens zwei bis drei Wochen andauern dürfte, bis die Zahlen sinken. Mehr und mehr Patientinnen und Patienten werden aus Kliniken in den besonders betroffenen Regionen Grand Est und Île-de-France, denen die Überlastung droht, in Regionen gebracht, wo es noch Kapazitäten für die Behandlung gibt.

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