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Sars-CoV-2

Frankreich im Ausnahmezustand

Von Birgit Holzer

© Unsplash

29. Mai 2020

24. März 2020: „Wir sind im Krieg!“ Sechs Mal wiederholte Emmanuel Macron während seiner Fernsehansprache am Abend des 16. März angesichts der Corona-Pandemie seine martialischen Worte, um den Ernst der Lage zu beschreiben. Die aktuelle Situation in Updates am Ende des Beitrags.

Schritt für Schritt verschärfen sich derzeit die gesundheitliche, die wirtschaftliche und auch die soziale Lage in Frankreich. Bis dahin hatte noch große Unbeschwertheit im Land vorgeherrscht: viele Menschen waren trotz gegensätzlicher Vorgaben der Regierung im Freien oder auf Märkten unterwegs gewesen. Dabei gelte es mit dem Coronavirus einen „unsichtbaren, nicht greifbaren Feind“ zu bekämpfen, warnte Macron und klang dabei wie ein Feldherr, der zu seiner Armee spricht. „Ich appelliere an alle politischen, wirtschaftlichen, sozialen und zivilgesellschaftlichen Akteure – an alle Franzosen – sich in diesen nationalen Zusammenhalt einzureihen, dank dem unser Land schon so viele Krisen überwunden hat.“

Kontrast zu Deutschland

Was für ein Kontrast zu den behutsamen Worten, die Bundeskanzlerin Angela Merkel zwei Tage später ihrerseits in einer Fernsehansprache, der ersten dieser Art überhaupt, wählte. „Im Moment ist nur Abstand Ausdruck von Fürsorge“, sagte sie unter anderem und warnte ebenfalls vor der außergewöhnlichen Gefahr, die von der Pandemie ausgeht. Dabei verzichtete sie nicht nur auf die eindringliche Sprache Macrons, sondern zunächst auch auf ebenso weitgehende Maßnahmen.

In Frankreich waren – wie in den meisten anderen europäischen Ländern – zum Zeitpunkt der Ansprache des Präsidenten bereits die Schulen, Kindertagesstätten, Universitäten, Restaurants, Museen, Einkaufszentren und andere öffentliche Plätze geschlossen. Nun verkündete er darüber hinaus eine massive Einschränkung der Bewegungsfreiheit und das gleich über mehrere Wochen.

Alle müssen nun außerhäusig eine Bescheinigung vorweisen können, in dem der Grund für den Ausgang (bis zu einem Radius von einem Kilometer; zwei Kilometer auf dem Land) steht. Erlaubt bleibt, das Notwendigste in Lebensmittelgeschäften einzukaufen (deren Kundschaft nur sukzessive in kleinen Gruppen Zugang bekommt, was zu Schlangen vor den Geschäften führt), alleine Sport zu treiben (Ausnahme: Fahrrad fahren), den Hund auszuführen, einen Arzt im Notfall und in Ausnahmefällen aufzusuchen, im Fall einer Trennung seine Kinder zu sehen, anderen zu helfen oder zu arbeiten, falls Homeoffice nicht möglich ist.

Supermärkte, Apotheken (Zugang nur einzeln sowie eingeschränkter Verkauf einzelner Arzneimittel wie Paracetamol) und Tankstellen bleiben vorerst geöffnet, eingeschränkt werden der Betrieb der öffentlichen Verkehrsmittel (SNCF: 15 % der bisherigen Fahrten in der Provinz, 30 % im Großraum Paris); die Post hat Öffnungszeiten und Leistungen reduziert (z. B. sind wegen der Infektionsgefahr keine Einschreibesendungen mit Rückschein möglich); Kundenkontakt zu Bank- und Versicherungsfilialen ist nur per E-Mail oder telefonisch möglich.

Globale Gesundheitskrise

Rund 100.000 Polizisten und Gendarmen im ganzen Land kontrollieren die Einhaltung der neuen Regeln – nicht nur in Paris sogar mit Hubschraubern und Drohnen. Bei Missachtung der Vorschriften wird eine Geldbuße von 135 Euro pro Person verhängt, im Wiederholungsfall 1500 Euro.

Die Nationalversammlung, infolge der Infizierung einiger Abgeordneter dezimiert, rief eine „Gesundheitskrise“ aus. Diese verleiht dem Premierminister außergewöhnliche Befugnisse, z. B. Einschränkungen der Personenfreizügigkeit oder der Versammlungs- und der Gewerbefreiheit. Reformprojekte wie die unpopuläre Rentenreform oder die geplanten Veränderungen der Arbeitslosenversicherung wurden vorerst ausgesetzt.

Alle französischen Städte trafen zusätzliche Maßnahmen wie abendliche Ausgangssperren oder die Schließung von Parks, Ufer- und Strand-Promenaden. Denn immer noch waren dort bis dahin viele sogar in Gruppen unterwegs.

Wie die Tuilerien in Paris wurden alle öffentlichen Parkanlagen in Frankreich geschlossen. © Adobe Stock

Tatsächlich tat sich die Regierung zunächst schwer damit, eine weitestgehende Ausgangssperre zu rechtfertigen, während sie auf Druck von Senatspräsident Gérard Larcher gleichzeitig die erste Runde der Kommunalwahlen am 15. März beibehalten und die Wähler dazu aufgerufen hatte, sich an die Urnen zu begeben – was zu der historisch hohen Enthaltungsquote von 55,25 Prozent führte sowie die Verschiebung des zweiten Wahlgangs in den Städten und Gemeinden, wo kein Bürgermeister die notwendige Mehrheit erhalten hatte, auf einen späteren, noch unbekannten Zeitpunkt.

Beispiele europäischer Solidarität

Nicht nur für diese inkonsequente Entscheidung erntete die Regierung Kritik. In den Krankenhäusern herrschte Mangel an Schutzmasken, die mittlerweile komplett vergriffen und erst in Wochen wieder lieferbar sein sollen. Die Notaufnahmen arbeiten oft bereits seit Jahren am Limit, sodass der Druck wuchs, insbesondere in den schwer betroffenen Gebieten wie der Region Grand Est, die an Deutschland und die Schweiz grenzt, sowie der Hauptstadtregion.

Nachdem es in den ersten Tagen der zunehmenden Epidemie im besonders betroffenen Ostfrankreich keine Hilfen aus den Nachbarländern gab, erklärten sich schließlich sowohl die Schweiz, als auch die deutschen Bundesländer Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und das Saarland dazu bereit, in ihren Krankenhäusern Kapazitäten für französische Corona-Patienten zur Verfügung zu stellen. Auch die französische Armee kam zum Einsatz, z. B. um besonders schwer Erkrankte zu transportieren oder ein Feldkrankenhaus inklusive 30 Intensivbetten in der Nähe von Mulhouse einzurichten.

Am 24. März 2020 waren in Frankreich rund 22.300 Menschen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert, über 1100 starben daran. In den Pflegeheimen des Landes (EHPAD) rechnet man mit 100.000 Toten.

Applaus vom Balkon

Überall in Frankreich entstanden in der Corona-Krise wie in Italien nach kurzer Zeit neue Rituale. Neben „Partys“, bei denen Nachbarn zur gleichen Zeit die Musik aufdrehen und dazu tanzen, setzt sich vor allem die tägliche Hommage für das Krankenhauspersonal durch, das unter Gefährdung der eigenen Gesundheit und trotz höchst angespannter Arbeitsbedingungen unermüdlich im Einsatz ist: Jeden Abend um 20 Uhr wird an offenen Wohnungsfenstern und auf Balkonen geklatscht – ein berührender Moment in diesen Tagen allgemeinen Misstrauens und der Angst.

Das Krankenhauspersonal seinerseits bittet um die strikte Einhaltung der aktuellen Vorschriften, die teilweise immer noch nicht respektiert würden (Fußballspiele Jugendlicher, Ausflüge und Einkaufsfahrten mit dem Auto etc.).

Drohende Finanzkrise

Der französische Staatspräsident rechnet nach der Gesundheitskrise mit einer „nie dagewesenen Finanzkrise, einer echten Wirtschaftskrise“, wie er in einem Interview sagte. Der Wirtschaft versprach die Regierung bereits jetzt milliardenschwere Hilfen, vom Konkurs bedrohten Betrieben Bankkredite. Der Staat lässt die Menschen nicht im Stich, so die Botschaft Macrons. Und: „Wir werden siegen!“

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Berichte aus Frankreich, Die Situation in Deutschland, Berichte aus Deutschland

Updates

29. Mai 2020: 149.668 bekannte Covid-19-Fälle in Frankreich; die Zahl der Genesenen beträgt 67.704; im Vergleich zum Vortag werden 597 Neuinfektionen und 513 Genesene gezählt. 1361 Patientinnen und Patienten müssen beatmet werden; insgesamt sind 28.714 an der Pandemie gestorben, davon 18.387 in französischen Krankenhäusern.

Drei Wochen nach der Lockerung der strikten Ausgangsbeschränkungen zog Frankreichs Premierminister Édouard Philippe eine vorsichtig positive Bilanz. Die Situation im Land und in den Krankenhäusern entwickle sich so, dass sie weitere Schritte in Richtung Normalität in einer 2. Phase erlaube.

Vom 2. Juni an können sich alle Franzosen unter anderem wieder weiter als 100 Kilometer von ihrem Wohnort entfernen, ohne wie bisher einen triftigen Grund dafür vorweisen zu müssen; die Parkanlagen öffnen wieder im ganzen Land; auch die sukzessive Wiederaufnahme des Schulunterrichts wird fortgesetzt, die mündlichen Abiturprüfungen finden allerdings nicht statt.

Lediglich im Großraum Paris sowie in den Überseegebieten Französisch-Guyana und Mayotte bleibt die Lage angespannt („zone orange“). In den übrigen, als „grün“ eingestuften Gebieten dürfen u. a. Restaurants und Cafés – unter Beachtung von Abstands- und Hygieneregeln – wieder öffnen, in Paris und den Vororten vorerst aber nur ihre Terrassen. Erst ab 22. Juni sollen in einer 3. Phase weitere Lockerungen erfolgen; die Öffnung der Grenzen für die meisten Länder der EU ist für den 15. Juni vorgesehen.

Parallel zu den Öffnungen gab das Parlament trotz Datenschutz-Bedenken grünes Licht für die Tracing-App „StopCovid“, mit der vor sich in der Nähe befindenden Corona-Infizierten gewarnt werden soll.

18. Mai 2020: 142.903 bekannte Covid-19-Fälle in Frankreich, Zahl der Genesenen insgesamt: 61.728; 492 Neuinfektionen und 515 Genesene im Vergleich zum Vortag. 1998 Patientinnen und Patienten müssen beatmet werden, insgesamt sind 28.239 an der Pandemie gestorben, davon 17.589 in französischen Krankenhäusern.

In der ersten Woche nach Ende der strikten Ausgangsbeschränkungen am 11. Mai wachte das wirtschaftliche Leben in Frankreich zaghaft wieder auf: Baumärkte und Bekleidungsgeschäfte, Friseure und auch kleinere Museen öffneten nach zwei Monaten Zwangspause wieder ihre Türen, während die von Cafés, Restaurants oder großen Museen weiterhin geschlossen bleiben und erst ab Juni ggf. wieder öffnen dürfen. Zu größeren Störungen kam es während der ersten Lockerungen nicht, weder in den öffentlichen Verkehrsmitteln, noch auf den Straßen: Wenn möglich, sollen Angestellte weiter von zuhause aus arbeiten und so dazu beitragen, dass sich das Virus weniger rasch ausbreiten kann.

Kritik an oder Demonstrationen gegen die Maßnahmen, die die Regierung Mitte März getroffen hatte, gab es in Frankreich anders als in Deutschland bislang nicht. Stattdessen drehen sich die Diskussionen stärker um die sozialen Auswirkungen der Krise und die allgemeine Situation in den französischen Krankenhäusern, die schon vor der Pandemie äußerst angespannt war. Nachdem Präsident Emmanuel Macron in diesem Zusammenhang überraschend deutlich bisher gemachte Fehler eingestanden hat, versprach Gesundheitsminister Olivier Véran dem Krankenhaus-Personal über die versprochene Corona-Prämie hinaus künftig höhere Gehälter sowie bessere Arbeitsbedingungen.

11. Mai 2020: 139.519 bekannte Covid-19-Fälle in Frankreich, Zahl der Genesenen insgesamt 56.724; 456 Neuinfektionen und 507 Genesene im Vergleich zum Vortag. 2712 Patientinnen und Patienten an Beatmungsgeräten, insgesamt 26.643 an der Pandemie Gestorbene, davon 16.820 in französischen Krankenhäusern.

Der 11. Mai, Stichtag für die Lockerung der strikten Ausgangsbeschränkungen, wurde in Frankreich lange erwartet. Fortan darf man seine Wohnung wieder länger als eine Stunde, großräumig und ohne Passierschein verlassen. Reisen über eine Strecke von mehr als 100 Kilometern müssen allerdings gerechtfertigt werden.

Bis zu zehn Personen dürfen sich gemeinsam treffen. Geschäfte, Friseursalons, Märkte, kleinere Museen und Buchhandlungen dürfen wieder öffnen. Landesweit gilt eine Schutzmaskenpflicht in den öffentlichen Verkehrsmitteln; im Großraum Paris benötigen alle Fahrgäste zu den Stoßzeiten zudem eine schriftliche Begründung für ihre Fahrt. Wer kann, soll weiter von zuhause aus arbeiten.

Euphemismus „dynamischer Strand“ (plage dynamique); wie hier in Nizza darf man am Meer spazieren gehen, das Verweilen ist hingegen untersagt, © Adobe Stock

Schulen, Kindergärten und Krippen öffnen schrittweise unter Berücksichtigung von Alterklassen sowie der Einteilung der Departements in „grüne“ und „rote Gebiete“ – je nach Verbreitung des Virus und Zahl der Neuinfektionen. Cafés, Restaurants und Kinos in „grünen“ Gebieten dürfen voraussichtlich am 2. Juni wieder öffnen, nicht aber in „roten“, wo striktere Regeln gelten.

Als „rot“ gekennzeichnet ist die Île-de-France mit Paris, der Osten Frankreichs mit den Regionen Grand-Est und Bourgogne-Franche-Comté sowie die Insel Mayotte im Indischen Ozean.

2. Mai 2020: 130.185 bekannte Covid-19-Fälle in Frankreich, 3878 Patientinnen und Patienten an Beatmungsgeräten, insgesamt 24.594 an der Pandemie Gestorbene, davon 15.369 in französischen Krankenhäusern

Die Lockerung der Ausgangssperre in Frankreich wird schrittweise stattfinden – das erklärte Premierminister Édouard Philippe bei der Vorstellung der Exit-Strategie in der Nationalversammlung. Ab dem 11. Mai darf man die Wohnung wieder ohne Passierschein verlassen; um sich mehr als 100 Kilometer von seinem Wohnort zu entfernen, bedarf es weiterhin eines triftigen Grundes.

In Geschäften, die – abgesehen von größeren Einkaufszentren – wieder öffnen dürfen, wird das Tragen einer Schutzmaske empfohlen; in öffentlichen Verkehrsmitteln ist sie Pflicht. Schulen und Kinderkrippen werden nach und nach wieder öffnen, während Cafés und Restaurants mindestens bis Juni geschlossen bleiben sollen.

Die wirtschaftlichen Folgen des Lockdown sind enorm. Innerhalb der ersten beiden Wochen meldeten sich 246.100 Menschen in Frankreich arbeitslos – ein historischer Anstieg um sieben Prozent. Die Regierung hat angekündigt, sowohl die Fluggesellschaft Air France-KLM wie auch den Flugzeugbauer Airbus finanziell zu unterstützen.

24. April 2020: 120.804 bekannte Covid-19-Fälle in Frankreich, 5052 Patientinnen und Patienten an Beatmungsgeräten, insgesamt 21.856 an der Pandemie Gestorbene, davon 13.547 in französischen Krankenhäusern

Durch kontinuierlich sinkende Zahlen bezüglich Toter und Infizierter sowie der Patientinnen und Patienten in den französischen Krankenhäusern entspannt sich die Lage zusehends. Auch das von der Armee betriebene Feldlazarett in der von der Corona-Pandemie besonders stark betroffenen Stadt Mulhouse wurde inzwischen wieder abgebaut.

Im Land mehren sich die Diskussionen über die Zeit nach dem 11. Mai – an diesem Stichtag sollen die Lockerungen der Ausgangssperre beginnen, die seit dem 17. März gilt. Regierungschef Édouard Philippe hat angekündigt, rechtzeitig einen detaillierten Plan dazu vorzulegen. Bereits vorab wurde bekannt, dass die Rückkehr in die Schulen zunächst nicht verpflichtend sein und für die verschiedenen Klassenstufen sukzessive erfolgen werden soll.

Eine Maskenpflicht dürfte nur in den öffentlichen Transportmitteln eingeführt werden. Noch stellt sich die Frage, ob es bis zu einer solchen Vorschrift Schutzmasken in ausreichender Anzahl geben wird – man geht von einem Bedarf von 45 Millionen pro Woche aus. Ab dem 4. Mai sollen in Apotheken waschbare Exemplare in großer Zahl erhältlich sein.

17. April 2020: 165.027 bekannte Covid-19-Fälle in Frankreich, 6248 Patientinnen und Patienten an Beatmungsgeräten, insgesamt 17.920 an der Pandemie Gestorbene, davon 11.060 in französischen Krankenhäusern

Die Fernsehansprache von Staatspräsident Emmanuel Macron am Ostermontag war mit Spannung erwartet worden, denn er wollte die Verlängerung der strikten Ausgangssperre ankündigen: Sie wird bis 11. Mai fortgesetzt. Erst dann sollen die Schulen und Kindertagesstätten des Landes allmählich wieder öffnen und das wirtschaftliche Leben wieder in Gang kommen. Macron zeigte sich verständnisvoll für die Nöte der Bevölkerung in dieser Ausnahmesituation, versprach massive Unterstützung für die Wirtschaft und sozial Schwache und appellierte zugleich an den Zusammenhalt in der Krise.

Tatsächlich zeichnet sich seit einigen Tagen dank der rückläugigen Zahl an Neuaufnahmen und Patienten an Beatmungsgeräten eine Entspannung in den französischen Krankenhäusern ab. Auch nimmt die Zahl der Verstorbenen im Vergleich zu vorherigen Zeiträumen ab. Für eine Entwarnung oder Lockerung der Maßnahmen ist es Experten zufolge jedoch noch zu früh.

Um der Zunahme häuslicher Gewalt entgegenzuwirken, können Betroffene nun in Supermärkten und Apotheken diskret um Hilfe bitten – viele Frauen wagen es während der Ausgangssperre nicht mehr, die übliche Notrufnummer zu wählen.

10. April 2020: 86.334 bekannte Covid-19-Fälle in Frankreich, 7066 Patientinnen und Patienten an Beatmungsgeräten, insgesamt 12.210 an der Pandemie Gestorbene, davon 8044 in französischen Krankenhäusern

Zum ersten Mal seit Mitte März gab es ermutigende Nachrichten aus den Kliniken Frankreichs: Endlich sank die Zahl der Patienten, die künstliche Beatmung brauchten – für Experten ein wichtiges Signal dafür, dass der Druck auf das Gesundheitssystem nachlässt. Auch stieg die Zahl der Menschen, die aufgrund ihrer Infizierung mit dem Coronavirus ins Krankenhaus eingeliefert wurden, weniger stark an.

Die Regierung erklärte, dies sei eine positive Folge der strikten Ausgangsbeschränkungen, allerdings noch kein Signal, diese zu lockern. In Paris und einigen benachbarten Départements wurde vielmehr sogar das Joggen zwischen 10 und 19 Uhr verboten. Dennoch mehren sich die Stimmen, die vor den harten Konsequenzen einer allzu lang ausgeweiteten Ausgangssperre warnen: Der Banque de France zufolge sank das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes im ersten Trimester um sechs Prozent. Den Weg aus der Krise will Präsident Emmanuel Macron am Ostermontags in einer Fernsehansprache aufzeigen.

3. April 2020: 59.105 bekannte Covid-19-Fälle in Frankreich, 6399 Patientinnen und Patienten an Beatmungsgeräten, 4503 allein in französischen Krankenhäusern an der Pandemie Gestorbene

Es ist ein Tag für Tag bedrückendes Ritual in Frankreich seit Beginn der Coronavirus-Krise geworden: Jeden Abend gibt Gesundheitsdirektor Jérôme Salomon die neuen offiziellen Zahlen bekannt, die immer weiter gestiegen sind (laut Johns-Hopkins-Universität gibt es bis heute rund 6500 Todesfälle). Die Regierung hat klar gemacht, dass erst bei rückläufigen Zahlen an ein Ende der Ausgangssperre zu denken sei. Eine Lockerung werde voraussichtlich nicht „auf einmal, überall und für alle gleichzeitig“, sondern wohl sukzessive stattfinden, sagte Regierungschef Édouard Philippe.

Die Verlegung schwer an Covid-19 Erkrankter in regionale Krankenhäuser mit freien Kapazitäten erfolgt u. a. in umgerüsteten Hochgeschwindigkeitszügen (TGV) der französischen Staatsbahn SNCF. © Ministères sociaux / DICOM / Jacques Witt / Sipa Press

Nach der grenznahen Region Grand Est, die besonders viele Covid-19-Fälle beklagt, gerät die Hauptstadtregion mehr und mehr unter Druck. Seitdem die dortigen Krankenhäuser an der Belastungsgrenze angelangt sind, werden zunehmend schwer Erkrankte in Regionen transportiert, die noch freie Kapazitäten haben. Zugleich kamen bereits 300 Krankenschwestern und Pfleger aus allen Landesteilen nach Paris, um ihren Kolleginnen und Kollegen in der Hauptstadt zu helfen.

27. März 2020: 33.402 bekannte mit dem Corona-Virus Infizierte, 1995 damit verbundene Todesfälle allein in französischen Krankenhäusern

Nach fast zwei Wochen Ausgangssperre in Frankreich gibt Premierminister Édouard Philippe keine Entwarnung – ganz im Gegenteil. Sie müsse auf jeden Fall bis mindestens 15. April verlängert werden, sagt er am Freitag, 27. März. „Wir sind immer noch am Anfang der epidemischen Welle“, begründete Philippe die Entscheidung. Der am selben Tag veröffentlichten Bilanz zufolge war die Zahl der Infizierten in Frankreich erneut um 13 Prozent angestiegen; allein seit gestern starben 300 in französischen Krankenhäusern an der Seuche; erstmals befand sich unter den Todesopfern auch eine 16-Jährige, was landesweit große Betroffenheit hervorrief.

Frankreich bereitet sich auf den Höhepunkt der Epidemie an diesem Wochenende vor, der Experten zufolge mindestens zwei bis drei Wochen andauern dürfte, bis die Zahlen sinken. Mehr und mehr Patientinnen und Patienten werden aus Kliniken in den besonders betroffenen Regionen Grand Est und Île-de-France, denen die Überlastung droht, in Regionen gebracht, wo es noch Kapazitäten für die Behandlung gibt.

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