Bistümer im Dialog:
Zu Gast bei Freunden

Bistümer im Dialog: Zu Gast bei Freunden
  • VeröffentlichtFebruar 7, 2026
Familienfoto im Kölner Dom (Copyright: Erzbistum Köln)
Familienfoto im Kölner Dom (Copyright: Erzbistum Köln)

Rund 100 Priester aus dem Bistum Versailles besuchten vom 26. bis 29. Januar 2026 Köln. Der Besuch setzte ein sichtbares Zeichen gelebter deutsch-französischer und europäischer Freundschaft und unterstrich die Bedeutung internationaler Begegnungen in der Weltkirche.

 

Im Mittelpunkt der Begegnungen unter der Leitung von Bischof Luc Crepy und der Generalvikare Pierre Delort-Laval und Marc Boulle stand der gegenseitige Erfahrungsaustausch: Wie gehen Kirche und Seelsorge in Deutschland und Frankreich mit gesellschaftlichen Umbrüchen um? Welche pastoralen Ansätze tragen heute – und was können die Ortskirchen voneinander lernen?

Die Idee zu dieser Reise entstand im Jahre 2020, als die Priester den Wunsch äußerten, gemeinsam etwas Besonderes zu erleben und miteinander zu teilen. Das Bistum Versailles beschloss daraufhin, alle drei Jahre eine größere Reise mit den Priestern zu organisieren. Vor sechs Jahren führte die Reise nach Rom, anschließend nach Marseille – und nun nach Köln. Damit folgt die Reise sowohl der Tradition der Kirchengeschichte als auch der römischen Geschichte, so Bischof Crepy. Rom sei der erste Ort der Christenheit, Marseille einer der ersten Standorte christlicher Kirchen in Europa, und Köln ebenfalls ein zentraler historischer Ort.

 

Gemeinsam beten, voneinander lernen

Ein besonderer Höhepunkt war das Zusammentreffen der Delegation mit Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki im Kölner Priesterseminar. Dabei stellte Woelki den Gästen aus Frankreich die zentralen Elemente seiner Vision und pastoralen Schwerpunktsetzung für die Kirche von Köln vor: „Wir wollen klug und überlegt, aber vor allem mutig und zuversichtlich von einem Modus des Systemerhalts in einen Modus der Evangelisierung wechseln. Wir wollen eine Kirche sein, die aus der Begegnung mit Jesus Christus lebt, Menschen in die Nachfolge Jesu ruft und sie befähigt und begeistert, seine Zeugen in der Welt zu sein.“

 

Ansprache von Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki im Kölner Priesterseminar (Copyright: Erzbistum Köln)
Ansprache von Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki im Kölner Priesterseminar (Copyright: Erzbistum Köln)

 

Auch Generalvikar Msgr. Guido Assmann nahm sich Zeit für den intensiven Dialog mit den Gästen aus Versailles: „Es ist immer wieder schön, zu erleben, dass unsere katholische Kirche weltweit vertreten ist und auch überall dieselben Fragen gestellt werden: Wie können wir den Glauben leben, ihn gut verkündigen? Was ist unser Dienst? Und dann voneinander zu hören und zu lernen: Was macht die Ortskirche von Versailles, was macht die Ortskirche von Köln? Ich habe von vielen Gästen gehört, dass sie für uns beten – das werden wir umgekehrt auch tun.“

Das Besuchsprogramm der „voyage de cohésion“ (Reise des Zusammenhalts) verband geistliche Impulse mit Einblicken in Geschichte und Kultur des Erzbistums Köln. Neben gemeinsamen Gottesdiensten – unter anderem im Kölner Dom am Schrein der Heiligen Drei Könige – standen Domführungen, ein Besuch der Dominikanerkirche St. Andreas sowie ein Empfang im Museum Kolumba auf dem Programm. Ergänzt wurde das Programm durch einen Studientag im Maternushaus.

 

Besuch der Priester aus Versailles im Kolumba (Copyright: Erzbistum Köln)
Besuch der Priester aus Versailles im Kolumba (Copyright: Erzbistum Köln)

 

Die Grundlagen der deutsch-französischen Freundschaft

Der erste Tag der „voyage de cohésion“ begann mit einem Auftaktgottesdienst in der romanischen Basilika St. Maria im Kapitol, konzelebriert von Bischof Luc Crepy und Weihbischof Dominikus Schwaderlapp. Crepy begrüßte die Möglichkeit, dass die Priester des Bistums Gelegenheit zu einem intensiven Austausch untereinander sowie zum Gespräch mit Verantwortlichen des Erzbistums Köln und mit Repräsentanten der Zivilgesellschaft erhielten – in einem Rahmen, der kirchlich und kulturell bereichernd war. Weihbischof Dominikus Schwaderlapp ging auf die vielfältigen Beziehungen Kölns zu Frankreich ein. Die Bedeutung von Austausch und gegenseitigem Kennenlernen für die Stärkung der deutsch-französischen Beziehungen kann nicht hoch genug eingeschätzt werden.

 

Messe in der Kathedrale von Reims mit Staatspräsident de Gaulle und Bundeskanzler Adenauer (Copyright: Wikimedia Commons)
Messe in der Kathedrale von Reims mit Staatspräsident de Gaulle und Bundeskanzler Adenauer (Copyright: Wikimedia Commons)

 

Eins der ikonischsten Bilder des 20. Jahrhunderts, aufgenommen am 8. Juli 1962, zeigt General Charles de Gaulle und Bundeskanzler Konrad Adenauer am Hochaltar der Kathedrale von Reims, tief versunken im Gebet. Das Bild vermittelte der breiten Öffentlichkeit den tiefen Paradigmenwechsel in den deutsch-französischen Beziehungen: von der Konfrontation zur Kooperation, von der Erbfeindschaft zur Zukunftspartnerschaft. Dominique Villeroy de Galhau und Konrad Adenauer gingen auf dieses Thema ein. Adenauer, Enkel des ersten Kanzlers der Bundesrepublik Deutschland, beschrieb in persönlichen Worten die erste Begegnung der beiden bekennenden Katholiken am 14. September 1958 in Colombey-les deux-Eglises auf dem Landsitz des Generals.

Schon in seiner Begrüßungsansprache hatte der Autor darauf hingewiesen, dass die deutsch-französische Freundschaft Grundlage und Voraussetzung für ein prosperierendes Europa sei. Germaine de Staël hatte bereits 1813 in ihrem Buch De l’Allemagne gewarnt, Europa sei verloren, wenn es keinen offenen und konstruktiven Dialog zwischen Deutschland und Frankreich gebe. Gerade in den schwierigsten Stunden sei dieser Dialog häufig von überzeugten Katholiken vorangetrieben worden. Beispielhaft stehen dafür der deutsche Gefängnisseelsorger Franz Stock in Paris, der Jesuitenpater Jean du Riveau und der Brückenbauer und Politikberater Joseph Rovan. Dieser veröffentlichte schon im Oktober 1945 in der Zeitschrift Esprit den aufsehenerregenden Artikel „L’Allemagne de nos mérites“: Deutschland sei das, was wir Franzosen gezeigt, getan und vorgelebt hätten.

Die heutige Generation sieht sich angesichts geopolitischer Unsicherheiten in Europa neuen Herausforderungen gegenüber. Wenn die aktuelle Krise der Politik zuerst eine Krise der Zivilgesellschaft sei, könnten die Menschen nur durch geistige Erneuerung einen Weg aus der Krise finden.

 

Ein Anker in einer schnelllebigen Zeit

Bei dieser Suche nach spirituellem Sinn kommt den Religionen eine besondere Bedeutung zu, wie Bischof Luc Crepy in seinem Interview mit dem Domradio betonte. „Es gibt eine Suche nach Sinn, nach spirituellem Sinn. Es geht auch darum, in dieser schnelllebigen Zeit einen Anker, eine Identität zu finden. Als Bischof und als Gläubiger würde ich sagen: Es ist auch das Wirken des Heiligen Geistes, dass so viele Menschen, die sehr weit weg von der Kirche stehen, zu uns kommen und wir sie aufnehmen.“

 

Gemeinsamer Gottesdienst in St Mariä Himmelfahrt. In der Mitte Bischof Luc Crepy (Copyright: Bistum Versailles)
Gemeinsamer Gottesdienst in St Mariä Himmelfahrt. In der Mitte Bischof Luc Crepy (Copyright: Bistum Versailles)

 

Die katholische Kirche in Frankreich zählt zu den traditionsreichsten und geistesgeschichtlich wichtigsten in Europa. 2024 wurden in Frankreich 17.000 erwachsene Anwärter getauft. Das sei, so Bischof Crepy, eine neue und sehr starke Bewegung, die die Kirche einlade, die Neugetauften aufzunehmen, sie zu begleiten und sie zu bilden.

Der Abschlussgottesdienst vor dem Schrein der Heiligen Drei Könige, der von vielen Dombesuchern verfolgt wurde, rundete intensive Tage der Begegnung ab. Bischof Luc Crepy hatte im Interview mit dem Domradio gesagt, dass in Frankreich Religion ein großes Thema ist. Über jüdische, muslimische und christliche Religion spräche man viel: „Das Christentum ist nicht abwesend, das Religiöse immer da. Gott ist nicht tot“.

 

Der Autor

Klaus Hofmann (Copyright: privat)
Klaus Hofmann (Copyright: privat)

Nach seiner Tätigkeit für die Europäische Kommission in Brüssel wechselte Klaus Bernhard Hofmann als Sprecher des Wirtschaftsministeriums in die thüringische Landeshauptstadt Erfurt. Ab 2000 war Hofmann Unternehmenssprecher und Leiter Corporate Public Relations/Public Affairs der Schott AG und von 2006–2010 Geschäftsführer der Schott Jenaer Glas GmbH. Für Schott war er zudem Mitglied im Vorstand des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW) in Berlin und der European Renewable Energies Federation (EREF) in Brüssel. 2011 gehörte Hofmann als Mitglied zum Kompetenzteam von Julia Klöckner. Seit 2014 ist er Geschäftsführer Kommunikation des VAA Führungskräfte Chemie.

 

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