Frankreich-Bibliothek des dfi:
Eine Fundgrube für Frankreich-Forscher

Frankreich-Bibliothek des dfi: Eine Fundgrube für Frankreich-Forscher
  • VeröffentlichtAugust 19, 2026
Zwei Frauen mit Laptops an einem großen Tisch, beide Frauen sind im Profil abgebildet und schauen einander an
Arbeiten mit Frankreich im Blick: Die Frankreich-Bibliothek des dfi in Ludwigsburg bietet Raum für Recherche, Lektüre und wissenschaftlichen Austausch (Copyright: Annette Krause/dfi)

Wer zu Frankreich forscht, kommt an Ludwigsburg kaum vorbei – zumindest digital. Die Frankreich-Bibliothek des Deutsch-Französischen Instituts bietet außergewöhnliche Bestände zur Politik, Wirtschaft, Gesellschaft des Landes und seinen Beziehungen zu Deutschland. Und für manche ihrer Schätze lohnt sich noch immer ein Besuch vor Ort.

 

Abseits der großen Universitätsstandorte gibt es in Ludwigsburg einen besonderen Ort für alle, die sich wissenschaftlich mit Frankreich und den deutsch-französischen Beziehungen beschäftigen: die Frankreich-Bibliothek des Deutsch-Französischen Instituts (dfi). Seit Mitte der 1970er-Jahre dokumentiert sie das wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Geschehen in Frankreich. Der Politikwissenschaftler Thomas Siemes von der Universität Trier bezeichnete sie vor einigen Jahren als den „besten Ort für größere und kleinere wissenschaftliche Arbeiten über Frankreich und die deutsch-französischen Beziehungen“. Dank des Internets können viele Literatur- und Sachanfragen heute auch vom heimischen Schreibtisch aus beantwortet werden. Entsprechend hat die Frankreich-Bibliothek in den vergangenen Jahren ihre Online-Angebote stark ausgebaut und ihre Nachweise in Verbund- und Universitätsbibliothekskataloge sowie thematische Portale integriert.

 

45.000 Bücher – und noch viel mehr

Ein Großteil der Forschung und Berichterstattung über Frankreich entsteht naturgemäß in Frankreich selbst. Entsprechend sind fast 80 Prozent der in der Frankreich-Bibliothek erfassten Dokumente französischsprachig. Aktuell weist das Suchportal über 45.000 Monographien, mehr als 60.000 Einzelbeiträge aus Sammelbänden und Fachzeitschriften, über 12.000 wissenschaftliche elektronische Volltexte, mehr als 230.000 Presseartikel und über 3.600 deutsch-französische Karikaturen nach.

 

Auswahl an Zeitungen ausgebreitet auf einem Tisch
Von Libération bis Neue Zürcher Zeitung: Internationale Tages- und Wochenzeitungen gehören seit Jahrzehnten zum Arbeitsmaterial der Frankreich-Bibliothek (Copyright: Annette Krause/dfi)

 

Zur Verbreitung seiner bibliographischen Arbeit gab das dfi bis Anfang der 1990er-Jahre umfangreiche Bibliographien in Buchform heraus, danach erschienen diese zweimal jährlich auf CD-ROM. Seit 2012 bietet die Frankreich-Bibliothek über verlinkte Recherchen in ihrem Suchportal einen Überblick über die neuesten Veröffentlichungen zu den französischen Außenbeziehungen, den deutsch-französischen Beziehungen sowie zur französischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Was früher mit erheblichem Aufwand gedruckt verbreitet werden musste, lässt sich heute deutlich dynamischer und viel aktueller bereitstellen.

Der technische Fortschritt kommt vor allem den Nutzerinnen und Nutzern zugute, die ortsunabhängig von der Arbeit der Frankreich-Bibliothek profitieren können – häufig, ohne es zu bemerken. Wer beispielsweise in einer Verbunddatenbank oder im Katalog einer Universitätsbibliothek einen Aufsatz zur französischen Politik findet, ihn direkt aufrufen oder unkompliziert per Fernleihe bestellen kann, greift dabei nicht selten auf die Arbeit des Teams der Spezialbibliothek zurück: Viele dieser Publikationen wurden in Ludwigsburg katalogisiert und inhaltlich erschlossen.

 

Ein Besuch lohnt sich

Für eine Fragestellung wie „‚La République En Marche‘ als lagerübergreifende Partei im französischen Parteiensystem? Ein Vergleich der Präsidentschaftswahlen 2017 und 2022 in Frankreich“ kann sich ein Besuch der Frankreich-Bibliothek dennoch lohnen. Denn „auch wenn die Bibliothek von ihrer Gesamtheit her eher klein wirkt, ist es erstaunlich, wie viel wertvolles Material man auf diesem Raum finden kann“, wie Jennifer Müller von der Eberhard Karls Universität Tübingen nach einem Forschungsaufenthalt im Jahr 2014 bemerkte.

 

Im Vordergrund eine Treppe auf einer offenen Galerie, im Hintergrund Bücherregale
Viel Frankreich auf wenig Raum: Die offene Architektur der Bibliothek verbindet Arbeitsplätze, Magazinbestände und frei zugängliche Literatur (Copyright: Annette Krause/dfi)

 

Für eine „Analyse der Darstellung der Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen während des Präsidentschaftswahlkampfs 2017 in ausgewählten Medien“ ist die Nutzung der Presseausschnittsammlung, die mittlerweile mehr als 600.000 Artikel umfasst, vor Ort sogar fast zwingend. Hinzu kommt, dass das geänderte Urheberrecht Bibliotheken seit März 2018 den Versand von Kopien von Presseartikeln nicht mehr erlaubt.

 

Forschen mit Stipendium

Um Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern den Weg nach Ludwigsburg zu erleichtern, hat das dfi ein Programm aufgelegt, mit dem Forschungsaufenthalte in seiner Bibliothek gefördert werden. In diesem Rahmen können sich die Stipendiatinnen und Stipendiaten auch mit wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des dfi austauschen. Manche erhalten zudem die Möglichkeit, ihre Fragestellung in einem Werkstattgespräch am Institut zu diskutieren.

Immer wieder öffnet sich die Frankreich-Bibliothek auch für Forschungsseminare.

 

Ein junger Mann an einem kleinen Tisch mit aufgeklapptem Laptop und einem Bücherstapel
Bücher, Laptop, Notizen: Wer für ein Forschungsprojekt nach Ludwigsburg kommt, kann die Bestände vor Ort intensiv auswerten und sich mit dem dfi-Team austauschen (Copyright: Annette Krause/dfi)

 

Im Juni 2026 war beispielsweise eine Studierendengruppe der Universität Kassel zu Gast, die mehrere Tage zu Themen mit Bezug zur kolonialen Vergangenheit Frankreichs forschte und dabei intensiv das Pressearchiv nutzte. Johanna Muster, die Mathematik und Französisch auf Gymnasiallehramt studiert, untersuchte dabei die mediale Darstellung der Banlieue-Unruhen von 2005. Am Ende ihres Aufenthalts sagte sie: „Dass so viel Material zu diesem Thema in der Frankreich-Bibliothek vorhanden ist, konnte ich kaum glauben. Es war toll, dass alles so gut vorbereitet war und wir gleich am ersten Tag loslegen konnten!“

 

„I love you“ – auf Englisch natürlich

Die Frankreich-Bibliothek dokumentiert auch, wie Deutschland in Frankreich und Frankreich in Deutschland dargestellt werden – in Romanen, Reiseberichten, Comics oder Presseartikeln. Einen besonderen Platz in dieser Sammlung nehmen mehr als 3.600 Karikaturen ein, die deutsch-französische Befindlichkeiten zeigen und häufig mehr sagen als tausend Worte. Über 1.200 von ihnen können kostenfrei im Repositorium des dfi online eingesehen werden. Ein Beispiel ist I love you des Zeichners Pancho Graells. Die Karikatur erschien am 8. Februar 1988 im Canard enchaîné anlässlich des 25. Jahrestags des Élysée-Vertrags.

 

Karikatur: zwei Menschen begrüßen sich mit den Worten "I love you". Der eine ist stereotypisch französisch dargestellt mit Béret, Schnurrbart und Baguette, der andere stereotypisch deutsch mit Bierkrug, Filzhut und Lederhosen
Baguette trifft Bierkrug – und die Liebeserklärung erfolgt auf Englisch: Pancho Graells karikierte 1988 zum 25. Jahrestag des Élysée-Vertrags die deutsch-französische Freundschaft (Copyright: dfi)

 

Dass die beiden dargestellten Männer ihre gegenseitige Zuneigung ausgerechnet auf Englisch bekunden, spielt augenzwinkernd mit dem Verhältnis der Deutschen und Franzosen zur Sprache des jeweiligen Nachbarn. Die meisten Karikaturen der Sammlung wurden Printmedien wie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Süddeutschen Zeitung, Le Monde oder Libération entnommen; der Schwerpunkt liegt auf der Zeit von 1980 bis heute. Seit Mitte der 1990er-Jahre erfasst und archiviert die Frankreich-Bibliothek außerdem Karikaturen, die in Onlinezeitungen und -zeitschriften oder auf den Webangeboten von Karikaturistinnen und Karikaturisten veröffentlicht werden.

 

Der Autor

Porträt, Mann mit kurzen grauen Haaren
Martin Villinger (Copyright: Annette Krause/dfi)

Martin Villinger ist seit Juli 2009 Leiter der Frankreich-Bibliothek des Deutsch-Französischen Instituts tätig. Von 1994 – 1996 war er außerdem beim Goethe Institut Lyon als Bibliothekar und von 2001 – 2008 beim Euro-Institut, Institut für grenzüberschreitende Zusammenarbeit, in Kehl im Bereich der deutsch-französischen Zusammenarbeit tätig.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Die Frankreich-Bibliothek des dfi befindet sich in der Asperger Straße 30, 71634 Ludwigsburg. Sie ist montags bis donnerstags von 8:30 bis 17:30 Uhr und freitags von 8:30 bis 16:00 Uhr geöffnet. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Bei Fragen zu den Beständen oder ganz allgemein zu Frankreich ist die Frankreich-Bibliothek unter frankreich-bibliothek@dfi.de erreichbar.

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