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Deutsch-französische Zusammenarbeit

Solidarisch in der Corona-Krise

Von Romain Michelot

Das Gebäude des Notfallzentrums der Universitätsklinik Freiburg im Breisgau, © Universitätsklinikum Freiburg / Britt Schilling

14. April 2020

Seit dem 21. März werden französische Beatmungspatientinnen und -patienten in deutschen Krankenhäusern behandelt – eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit, die zu einer europäischen wurde und die die Behörden nach dem Ende der Pandemie gerne fortsetzen würden.

„Meine E-Mail am Nachmittag des 20. März war ein echter Hilferuf“, erinnert sich Brigitte Klinkert, Präfektin des Département Haut-Rhin (Oberelsass), immer noch tief bewegt angesichts der Situation, die ihr Département in den Grundfesten erschüttert. In ihrem Schreiben an den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann bat sie die Krankenhäuser in der Grenzregion darum, französische Patientinnen und Patienten aufzunehmen. Seit dem Treffen einer evangelischen Freikirche (Église Porte Ouverte Chrétienne) Mitte März in Mulhouse und der anschließenden Verbreitung des Coronavirus gilt das Elsass als Epizentrum der weltweiten Pandemie in Frankreich. Mit 4789 klinischen Fällen, davon 916 in kritischem Zustand, sowie 1954 Todesopfern ist die Region Grand-Est am 9. April die am meisten von Covid-19 betroffene Region Frankreichs.

Transport mit Hubschraubern und Flugzeugen der Bundeswehr

„Ich kann mich noch erinnern, dass ich um 00:27 Uhr eine E-Mail von Theresa Bauer, der baden-württembergischen Forschungsministerin, bekam, die mir für die Verlegung der Patientinnen und Patienten nach Deutschland grünes Licht gab“, sagt Brigitte Klinkert erleichtert. Die Krankenhäuser in Ulm, Mannheim, Heidelberg und Freiburg im Breisgau nahmen als erste bis zu drei französische Patientinnen und Patienten auf. Sie kamen vor allem aus den Krankenhäusern in Colmar und Mülhausen, wo ein Feldkrankenhaus in der Nähe errichtet wurde, um die in den Folgetagen ununterbrochene Flut an Neuerkrankten zu bewältigen.

Für Brigitte Klinkert ist die deutsch-französische Aktion ein „schönes Beispiel grenzüberschreitender Solidarität“. Denn immerhin ordnete Deutschland am 15. März die Schließung seiner Grenzen an. „Auch die Schweizer Kantone Basel-Stadt und Basel-Land haben elsässische Patientinnen und Patienten aufgenommen“, fügt sie hinzu.

Patienten aus Frankreich, Italien und den Niederlanden

Dass der erste Patient schon am Nachmittag des 21. März in Freiburg im Breisgau mit dem Helikopter eintraf, ist vor allem Prof. Dr. Hartmut Bürkle, Direktor der Intensivstation des Freiburger Universitätsklinikums, zu verdanken. „Heute liegen noch zwei der französischen Patienten, die wir aufgenommen haben, auf der Intensivstation“, sagt er am Samstag, dem 11. April.

Sie gehören zu den rund 130 bis zum 11. April aus Frankreich verlegten Erkrankten, die in allen deutschen Bundesländern in Krankenhäuser gebracht wurden. Daneben hat die Bundeswehr rund 50 Patientinnen und Patienten aus Italien – dem Land, wo die Pandemie bis zum 11. April 19.468 Tote und damit die meisten Opfer in Europa forderte – sowie aus den Niederlanden mit Flugzeugen und Hubschraubern in deutsche Krankenhäuser geholt.

Die Solidarität Deutschlands mit Europa wurde sowohl in den Nachbarländern als auch von der öffentlichen Meinung begrüßt. Aus einer Umfrage des ZDF vom 9. April geht hervor, dass 68 % der Deutschen auch einer finanziellen Hilfe für Länder wie Spanien und Italien, die ganz besonders von der Pandemie betroffen sind, zustimmen würden.

Prämissen einer grenzüberschreitenden Gesundheitspolitik

Vor dem Hintergrund der anhaltenden Wirtschaftskrise beleben die Ergebnisse dieser Umfrage die bestehende Debatte über die sogenannten Corona-Bonds, eine Vergemeinschaftung von Schulden der Länder der Europäischen Union – die Deutschland vehement ablehnt.

Bleibt zu sagen, dass die deutsche Hilfe in dieser Dimension völlig neu ist: „Wir haben bereits nach den Attentaten auf dem Weihnachtsmarkt in Straßburg zusammengearbeitet, aber nicht in solch einem Ausmaß“, sagt Bürkle. Auch er selbst hatte seine Hilfe angeboten sowie die Entsendung von deutschem Krankenhauspersonal in französische Krankenhäuser.

Über die humanitäre Hilfe hinaus, über die in den vergangenen Wochen viel berichtet wurde, gibt es regionale Hilfsaktionen bei der Beschaffung notwendigen Materials. „Zum Beispiel haben wir am 8. April 2000 Schutzbrillen aus Freiburg und letzte Woche 25.000 Regen-Ponchos vom Vergnügungspark Europa-Park bekommen. Sie ersetzen die Schutzkittel, an denen es schrecklich mangelt, vor allem in den Pflegeheimen“, erläutert Brigitte Klinkert.

Das Bündnis der Trinationalen Metropolregion Oberrhein (TMO) zwischen Süd-Elsass, Süd-Baden und Basel wünscht sich, dass diese Zusammenarbeit in Zukunft zu einer konkreten grenzüberschreitenden Gesundheitspolitik führt. „Von nun an sollte die Metropolregion für die Gesundheitspolitik in diesem Gebiet verantwortlich sein. Dieses Projekt liegt uns am Herzen“, fordert die Präfektin des Département Haut-Rhin. Hartmut Bürkle stimmt dem zu: „Die Zusammenarbeit von Deutschen und Franzosen war noch nie so wichtig.“

Übersetzung: Julika Kott

Link

Die Ankunft der ersten elsässischen Patienten in Freiburg im Breisgau auf Twitter

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