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Rhône-Sète-Kanal

Leinen los in Carnon

Von Gabi Bertram

© Gabi Bertram

25. Juli 2020

Der kleine Bruder des Canal du Midi heißt Rhône-Sète-Kanal, Canal du Rhône à Sète. Auch hier kann man Hausboote mieten. Mit ihnen schippert man gemächlich quer durch die Camargue bis hin zum Mittelmeer.

Der Bau des Rhône-Sète-Kanals begann 1780; 26 Jahre später wurde er für die Schifffahrt freigegeben. Er hat eine Länge von 98 km (Canal du Midi: 241 km), beginnt im Zentrum von Beaucaire, führt bis zum Etang de Thau bei Sète, fließt durch die beiden Departements Gard und Hérault und durchquert in fast gerader Linie die Camargue. Da es nur eine Schleuse gibt, ist er bei Hausboot-Touristen sehr beliebt. Sehenswerte Orte am Kanal sind Beaucaire, Saint Gilles, Aigues-Mortes, La Grande Motte, Carnon, Palavas-les-Flots, Frontignan und Sète. Bei Sète erreicht man den Canal du Midi.

Tag 1

Ankunft gegen 14 Uhr in Carnon, Departement Hérault, um unser Boot – eine Renaud 8000 –  das man ohne Führerschein navigieren darf, zu übernehmen. Es ist acht Meter lang, drei Meter breit, verfügt über eine Schlafkabine mit Doppel- und Einzelbett, Bad, WC, Küche und Sitzecke. Zur Übernahme gehören auch die Einführung in die Technik, Infos über Schleusen, Brücken, Übernachtungsplätze und schließlich eine kurze Testfahrt – was inklusive des Papierkrams ca. 1–2 Stunden dauert. Gegen 16 Uhr legen wir endlich in Richtung Aigues-Mortes im Departement Gard ab; es ist unser erstes Übernachtungsziel.

Aigues-Mortes, wörtlich übersetzt „totes Wasser“, ist eine Festungsstadt, vollständig ummauert und mit fünf Türmen, zehn Stadttoren und einer perfekt erhaltenen Altstadt mit zahlreichen farbenfrohen Gassen voller Galerien, Geschäften und zahlreichen Cafés und Restaurants. Die Stadt wurde im 13. Jahrhundert gegründet und lag damals noch direkt am Meer, das heute aufgrund von Ablagerungen im Rhône-Delta fünf Kilometer entfernt ist. Die Stadt ist auch bekannt für ihre Salinen, wo Salz noch handwerklich gewonnen wird und die man besichtigen kann. Von einer Salzdüne aus erschließt sich ein grandioses 360-Grad-Panorama.

Die Festungsmauer von Aigues-Mortes; der höchste Turm – Tour de Constance – diente wie die anderen während der Hugenottenkriege als Gefängnis für Protestanten. © Gabi Bertram

Tag 2

Aufbruch bei Sonnenaufgang und spiegelglattem Wasser. Langsam kommt ein Gefühl von Freiheit auf: Haare wehen im Wind, kein Zeitdruck, keinerlei Zwänge. Erster Anlegeplatz: Das 1000-Einwohner-Dorf Gallician. Beim Hafenmeister wird kurz die Anwesenheit gemeldet und dann ab ins Dorf und zur Weinprobe im Mas du Notaire.

Weiter geht es nach St-Gilles mit seinen ca. 11.000 Einwohnern und einer Abteikirche, die Unesco-Weltkulturerbe ist. Wir sind in der petite Camargue und das kann man sehen: weiße Pferde und schwarze Stiere an den Ufern und angrenzenden Äckern des Kanals; Wasservögel wie Reiher, Möwen und weiße Ibisse, die uns immer ein Stück begleiten. In St-Gilles entscheiden wir, über La Grande Motte nach Carnon zurückzutuckern, um dort die Nacht zu verbringen.

La Grande Motte wurde Ende der 1960er Jahre vom französischen Architekten Jean Balladur als Retortenstadt direkt am Mittelmeer entworfen und gebaut; sie war lange Inbegriff für hässliche Betonbauten und Massentourismus. Heute wird die unkonventionelle und in jenen Jahren futuristische Architektur mit anderen Augen gesehen – sie ist „Kulturerbe des 20. Jahrhunderts“ und es finden sogar Architektur-Führungen statt. Am sieben Kilometer langen öffentlichen Sandstrand Plage du Grand Travers gibt es auch einen sauberen Hundestrand; die ganzjährig geöffnete Marina bietet 1440 Liegeplätze.

Tag 3

Von Carnon aus geht es in Richtung Frontignan über Palavas-les-Flots, Villeneuve-les-Maguelones und Aresquiers. Fauna und Flora sind nun komplett anders als am zweiten Tag unserer Reise: rosa Flamingos, Komorane, Eisvögel und Staren-Schwärme neben und über dem Boot.

© Gabi Bertram

Die Fußgänger- und Fahrradbrücke Passerelle du Pilou verbindet den Parkplatz von Pilou mit der Kathedrale Saint-Pierre und dem Strand von Villeneuve-lès-Maguelone. Es kann sein, dass man hier mit dem Boot kurz warten muss. An einigen wenigen Pontons dürfen Skipper 24 Stunden anlegen.

Aresquiers: Die Bewohner sollen ihre 100–150 Jahre alten Fischerhütten, les cabanes, wegen der Überschwemmungsgefahr verlassen und kämpfen schon einige Jahre für ihren Erhalt – kein leichtes Unterfangen, da die Grundstücke Staatseigentum sind.

Schließlich erreichen wir unser Tagesziel: das typisch französische Städtchen Frontignan (rund 19.000 Einwohner). Da die Brücke nur 2 Mal am Tag für Schiffe geöffnet ist, geht es nach dem Landgang zurück nach Carnon, wo das Boot am 4. Tag unseres Kurztripps wieder abgegeben wird.

Info

Bootsvermietung am Rhône-Sète-Kanal

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