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Trinationales Studium

Grenzenloses Lernen

Henrike Beverungen

© Maximilien L‘Hyver

8. Oktober 2019

Der Studiengang International Business Management Trinational wird gemeinsam von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Lörrach, der Université de Haute Alsace Colmar und der Fachhochschule Nordwestschweiz Basel angeboten und führt nach dreieinhalb Jahren zum Abschluss an allen drei Hochschulen.

Globalisierung ist das Stichwort in der heutigen Welt. Weltweite Verflechtungen nicht nur zwischen Unternehmen, sondern auch zwischen Individuen machen eine globalisierte Welt aus. Dass es heutzutage wichtig ist, sich kulturelle Kompetenzen anzueignen, sollte jedem bewusst sein.

Rund 250 Studierende des einzigartigen Studiengangs International Business Management Trinational werden im Dreiländereck (Deutschland-Frankreich-Schweiz) auf ein solches, globalisiertes Arbeitsumfeld vorbereitet. Interkulturelle Bildung in einem internationalen Umfeld ist für sie der Alltag, nicht nur während der Vorlesungen zu Interkulturellem Management oder der Communication interculturelle, sondern vor allem aber beim täglichen Miteinander außerhalb der Vorlesungen.

In diesem Studiengang geht es um einiges mehr als nur darum, seine sprachlichen Kompetenzen zu verbessern und sich weiterzubilden. Ein Leben in drei Ländern, der tägliche Kontakt mit Menschen aus anderen Ländern und Kulturen, erweitert die sozialen und kulturellen Kompetenzen eines jeden einzelnen. Wer also bisher glaubte, dass der Umgang mit kulturellen Differenzen einzig und allein zwischen einzelnen Kontinenten auffällig und schwierig sein kann, der wird anders denken, wenn er von den Erlebnissen der Studierenden erfährt. Hier steht Konfliktbewältigung in einem trinationalen Umfeld auf der Tagesordnung. Ob es um Gruppenarbeit oder um das Abendprogramm geht, drei verschiedene Ansichten der Nationalitäten unter einen Hut zu bekommen, ist nicht immer einfach und besonders im Kleinen fallen diese Unterschiede auf.

Im dreimonatigen Wechsel zwischen den verschiedenen Hochschulen (Université de Haute-Alsace in Colmar, Duale Hochschule Baden-Württemberg in Lörrach, Fachhochschule Nordwestschweiz in Basel) und den Praxisphasen gibt es eine Menge an neuen Erkenntnissen zu gewinnen: von französischen, hierarchischen Strukturen über deutsche Genauigkeit und Pünktlichkeit bis hin zur schweizerischen Strukturiertheit der Studierenden, aber auch der Einrichtungen inklusive Lehrenden. Denn sowohl in der Vorlesung als auch außerhalb lernt man viel von seinen Mitstudierenden.

Die französische Hierarchie

Direkt im ersten Semester werden die Studierenden mit der französischen Unterrichtsweise konfrontiert. Dass hier ein ganz anderer Fokus bestimmt, fällt den Schweizer und deutschen Studierenden bereits in der ersten Vorlesung auf. Hier herrscht eine eher hierarchische Ordnung. Die Dozentinnen und Dozenten tragen vor und alle haben sich ordentlich und still zu verhalten. Bücher werden nicht verwendet, da das Wort der Professorinnen und Professoren wichtiger ist als jedes Buch. Hier werden die Regeln klar und deutlich gemacht und wer sich nicht daran hält, der wird sich schnell umstellen müssen. Die Studierenden warten auf ein Zeichen, um ihre Aufgaben zu erledigen. Sobald sie eine Aufgabe erhalten haben, wissen sie genau, was zu tun ist und gehen mit aller Sorgfalt an die Arbeit. Das ist wohl auch der Grund, weshalb sie das ein oder andere Mal etwas länger brauchen als ihre Mitstudierenden, denn alles wird sorgfältigst mit Lineal unterstrichen und mit bunten Farben aufgeschrieben.

Im Vergleich zu den Franzosen haben die Deutschen Studierenden sicherlich noch Verbesserungspotenzial. Eine Eigenschaft der Franzosen, von der Deutsche sicherlich noch viel lernen können, ist ihre Fähigkeit, Unterricht und Freizeit ganz klar zu trennen. Während sie noch in der Vorlesung sehr aufmerksam waren und alles genau mitgeschrieben haben, trifft man sich am Abend in Gruppen, kocht gemeinsam oder feiert häufig sehr ausgiebig – auch unter der Woche. Alle sind dabei und alle haben ihren Spaß. Eine gewisse Ruhe hilft ihnen, den Stress des Studiums gut zu bewältigen ohne die „schönen Dinge des Lebens“ zu vernachlässigen.

Der Campus Lörrach der DHBW
Der Campus Lörrach der DHBW, © DHBW

Die deutsche Pünktlichkeit

Andere Eindrücke der Vorlesungen bekommen die Studierenden in der Deutschen Hochschule. Hier ist der Austausch deutlich kommunikativer. Dozentinnen und Dozenten sind froh, wenn sie nicht drei Stunden vor der Klasse einen Monolog halten müssen, sondern auch die Studierenden ihren Beitrag leisten. Ergebnisse werden gemeinsam erarbeitet, der Unterricht pünktlich beendet.

Dabei wird so manches Klischee bedient. Während französische Studierende 5–10 Minuten nach Beginn der Vorlesung mit ihrem Kaffee in der Hand im Raum eintrudeln, sitzen die Deutschen bereits seit 20 Minuten auf ihren Plätzen und erwarten die Vorlesung mit ihren Mitschriften der letzten Stunde.

Die schweizerische Struktur

Am ersten Tag an der Fachhochschule in Basel werden alle Studierenden vom Studiengangsleiter begrüßt. Das ist soweit nichts Ungewöhnliches, verglichen mit Frankreich oder Deutschland. Wenn man jedoch den Raum betritt, liegen auf jedem Stuhl eine Tragetasche der FHNW mitsamt eines Blocks, eines Bleistiftes, Gummibärchen und sämtlichen Angeboten rund um den Sport und die Hochschule in Basel. Anschließend kann man bei Kaffee und Croissants zusammensitzen und sich austauschen. Dieser Empfang beschreibt die Schweiz perfekt: Struktur und Vorbereitung werden hier groß geschrieben.

Stets stolz auf ihr Land und das Schweizerdeutsch lassen die Schweizer ihre Mitstudierenden schnell wissen, dass sie eine Gruppe sind. Ihre Gespräche übersetzen sie für die anderen nur ungerne ins Hochdeutsche, was den Versuch dazuzugehören, mitunter zu einer Herausforderung werden lässt. Doch mit ihrem deutlichen Altersunterschied, bedingt durch die Arbeit nach der Fachmatura und dem Wunsch, sich in vielen Richtungen weiterzubilden, bringen sie einiges an Lebenserfahrung mit in die Runde. Deutsche und französische Studierende können viel von ihnen lernen.

Studium im trinationalen Umfeld

Studieren im trinationalen Umfeld stellt für alle eine sprachliche und kulturelle Besonderheit dar. Hier werden den Studierenden Chancen für eine optimale Vorbereitung auf eine internationale Berufskarriere geboten. Jeder kann etwas von den anderen lernen und alle nehmen die anderen so wie sie sind. Kommilitoninnen und Kommilitonen werden als eine Art Vorbild gesehen, von denen man sich so einiges abschauen und von denen man so manches lernen kann. Der Mix aus drei Sprachen und Kulturen prägt somit den Zusammenhalt der Studierenden und bietet ihnen die Chance, das Beste aus jeder Kultur mitzunehmen, um nach dem Studium optimal auf ein internationales Umfeld vorbereitet zu sein. Jeden Tag werden nicht nur geographische Grenzen, sondern in vielfältiger Art und Weise auch andere Grenzen überschritten. Hier wird gemeinsam der globalisierte Gedanken gelebt!

Die Autorin studiert International Business Management trinational im 3. Semester an der DHBW in Lörrach.

Links:
Duale Hochschule Lörrach, Université de Haute Alsace, Fachhochschule Basel

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1 Kommentare/Commentaires

  1. Mit Interesse habe ich den Erfahrungsbericht der Studentin gelesen, die das trinationale Programm in Basel, Lörrach und Colmar vorstellt. Dieses Programm wird von der Deutsch-Französischen Hochschule (DFH) gefördert – genau wie eine Reihe anderer deutsch-französischer Studiengänge (ich koordiniere an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach selbst ein Bachelor- und ein Master-Programm; beide Programme führen wir auch gemeinsam mit der Universitäté de Haute Alsace in Colmar durch – aber es gibt landesweit eine Vielzahl derart geförderter Studienprogramme). Die DFH ist eine tolle Einrichtung, die die Mobilität junger Menschen zwischen Deutschland und Frankreich fördert (und die der Dozentinnen und Dozenten).

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