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Krimi-Land Frankreich

Kommissar Dupin ermittelt wieder und räumt ab!

Oliver Keymis

Am Strand von Concarneau: Dupin mit Team © ARD Degeto / filmpool fiction / Wolfgang Ennenbach

05. Juni 2023

5,87 Millionen Menschen schalteten am 20. April 2023 das Erste ein, um zur ARD-Prime-Time gemeinsam mit Kommissar Dupin in der Bretagne zu ermitteln. Mit 22,2% Marktanteil war auch dieser elfte Bretagne-Krimi mit dem Titel Bretonische Nächte wieder einer der Spitzenreiter der Donnerstags-Krimis im Ersten und an diesem Tag sogar der „Gesamt-Tagessieger“ im deutschen Fernsehen.

Schon mehrfach siegte der Bretonen-Krimi, zuletzt 2021, als die Nummer 9 der TV-Verfilmungen mit dem ebenso schönen Titel Bretonische Spezialitäten gesendet wurde. Damals waren es sogar noch mehr Zuschauer, vielleicht auch, weil die Folge in der berühmten Husarenstadt Saint-Malo spielte – oder vielleicht auch ein bisschen wegen Corona?!

Erfolg weltweit

Auf jeden Fall sind die bisher elf Romane des Autors Jean-Luc Bannalec über die Ermittlungen des 2012 nach Concarneau versetzten, ehemals Pariser Kommissars Georges Dupin, schon als Druckerzeugnisse echte Renner und zwar nicht nur in Deutschland, sondern in vielen Ländern weltweit. Allein im deutschsprachigen Raum wurden über fünf Millionen Bücher verkauft, in Frankreich über eine Million, auf Spanisch gingen die Krimis mehr als zwei Millionen Mal über die Buchladentheken, in Italien und in den USA je rund eine Million Mal, auch in den Niederlanden, in Polen, Tschechien und der Slowakei werden die Bücher erfolgreich verkauft und gelesen.

„Bretonische Spezialitäten“ – Dupin in Saint Malo © ARD Degeto / filmpool fiction / Wolfgang Ennenbach 

Und die bisher elf TV-Spielfilme, alle im Auftrag der ARD-Degeto von der Filmproduktionsfirma „filmpool fiction GmbH, Köln-München, realisiert, wurden über die Jahre zu echten Quotenhits und werden sogar bislang in 49 Länder lizensiert, darunter Italien (RAI 2), Spanien (TVE), Schweiz (SRF) sowie die USA, China, Indien, BeNeLux, Südafrika, Russland, Iran, Algerien, Kongo, Kamerun, etc. 

Insgesamt „eine unwahrscheinliche Erfolgsgeschichte“, wie es schon David Denk in der Süddeutschen Zeitung am 11. April 2019 zurecht beschrieb. Überhaupt hat die deutsche, wie die französische Presse Romane und Verfilmungen zumeist wohlwollend beschrieben, in Le Parisien oder Paris Match ebenso wie in den großen Tageszeitungen Le Télégramme (Brest) oder Ouest France (Rennes) – ähnlich wie auch im SPIEGEL, in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, oder in der SZ.

Und auch in Frankreich selbst sahen z.B. im Mai 2020 rund 4,9 Millionen Zuschauer die synchronisierte Fassung der Bretonischen Geheimnisse im nationalen dritten Programm France 3. Das übertraf mit 18% Marktanteil die bisherigen Dupin-Erfolge sogar in Frankreich. Das ist deshalb so beachtlich, weil die Franzosen (und die Bretonen im Besonderen) es hier mit einer insgesamt komplett deutschen Produktion zu tun haben.

Von Frankfurt nach Frankreich – von Maigret zu Bannalec

Aber der Reihe nach: der Autor Dr. Jörg Bong, ein deutscher Literaturwissenschaftler, Lektor, Verleger, Herausgeber, Publizist und Fotograf war bis 2019 verlegerischer Geschäftsführer der S. Fischer Verlage in Frankfurt am Main. Geboren 1966 in Bad Godesberg reiste Bong schon früh und gerne nach Frankreich und verliebte sich in Land und Leute. Die Bretagne tat es ihm und seiner Familie besonders an und so ließen sie sich dort in einem Häuschen nieder. Fortan lebte Bong im südlichen Finistère und in Frankfurt am Main, wo die Kinder weiter zur Schule gingen. Immer schon Krimi-Leser, Fan des belgischen Autors Georges (!) Simenon, stieß er auf dessen 6. Roman Maigret und der gelbe Hund (1931), der im bretonischen Hafenstädtchen Concarneau spielt.

Verleger verwandelt sich in Autor

So entstehen Erfolgsgeschichten. Mit dem sehr bretonisch klingenden Pseudonym Jean-Luc Bannalec bewarb sich Jörg Bong bei fünf deutschen Verlagen, damit ihn die Kollegen nicht identifizieren konnten – als Verlegerkollege aus Frankfurt wollte er anonym bleiben. Vier Verlage winkten damals ab. Und gucken heute mindestens „gespannt“ auf die immer erfolgreicheren Verkaufszahlen.

Nur der Kölner Verleger Helge Malchow (Kiepenheuer und Witsch) sagte ja und verlegte 2012 den ersten Roman Bretonische Verhältnisse, der die Bretagne-Fans sogleich ins liebliche Pont-Aven führt, berühmt wegen der Malerschule rings um Paul Gauguin und eine echte Touristenperle knapp 18 km östlich von Concarneau, von wo aus Georges Dupin alle seine elf bisherigen Bretagne-Fälle aufklärte.

Außenaufnahmen an der „Côte de Granit Rose“ – Nord-Bretagne © ARD Degeto / filmpool fiction / Wolfgang Ennenbach 

Elf Romane als Vorlage für elf TV-Filme

Nahezu alle elf Filme wurden detailgenau an den Originalschauplätzen der Romane gedreht (Pont-Aven, Glénan, Guérande, Île de Sein, Côte de Granit Rose, Saint-Malo, etc.). Nur im Falle von Belle-Île (Film 10, Bretonische Idylle) und Aber-Wrac’h (Film 11, Bretonische Nächte) war dies zum Teil aus logistischen und umweltschutztechnischen Gründen nicht möglich.

Dort, wo auch die fiktive Figur „zuhause“ ist, in Concarneau, lässt sich der Produzent und Geschäftsführer der Firma filmpool fiction GmbH, Mathias Lösel seit zehn Jahren nun mit seinem Team nieder und von dort aus werden die notwendigen Drehorte unter Beachtung logistischer, technischer und finanzieller Aspekte gesucht. Denn gespart werden muss dringend und überall. So kam es zuletzt zu einem kritischen Hinweis, dass man in Bretonische Nächte „zu wenig von der Bretagne“ sehe.  Häufiger monieren die Zuschauer, dass die Filme anders sind, als die Romane, was allerdings leicht zu erklären ist: Knapp 300 Buchseiten kann man nicht in 88 Minuten detailgenau „verfilmen“ und die Dramaturgie eines TV-Spielfilms folgt bekanntermaßen ganz eigenen Regeln, jedenfalls ganz anderen, als denen für einen Roman. Der große Erfolg der Filme im deutschen Fernsehen und auch im Ausland belegt allerdings überzeugend, weswegen man gerne diese Filme einschaltet und weswegen der Autor diese Krimis schreibt.

„Die Bretagne schreibt meine Bücher“

Es sind nämlich vor allem Liebeserklärungen an „seine Bretagne“, diese auf Granit festverankerte westfranzösische Halbinsel, die sich runde 200 km in den Atlantik vorschiebt, umtost von wilden Wellen und umspült von ewig wiederkehrenden Gezeiten. Der Golf-Strom gewährt mild-maritime Temperaturen und eine teilweise durchaus üppige Natur bedankt sich für das feuchte Klima, während die Strandbesucher das bretonische Bonmot mögen, dass in der Bretagne „mindestens fünf Mal am Tag die Sonne scheint“.

Diese Liebe zum Meer und zur Bretagne teilt der Autor Jörg Bong („Die Bretagne schreibt meine Bücher“) mit dem Produzenten der Filme, Mathias Lösel, der als 15-jähriger zum ersten Mal in die Bretagne reiste und seitdem seine „geliebte Bretagne“ nicht mehr aus den Augen verlor.

Als begeisterte Frankreich- und Bretagne-Liebhaber haben sich Bong und Lösel gefunden, denn obwohl die Filmrechte schon fast vergeben waren, bekam Mathias Lösel nach einem sehr langen Gespräch mit dem Autor dann doch noch den Zuschlag und dreht nun, seit 2013, jedes Jahr im September, mit einem deutschen Team und bretonischen Produktionspartnern vor Ort den deutschesten aller französischen Kriminalfilme.

Aus Kooperation wird Freundschaft

Regelmäßig besucht Mathias Lösel während der Drehpausen z.B. Schulen in der Bretagne, diskutiert mit Schülern über die deutsch-französischen Beziehungen und das gemeinsame Europa und ist in so manchem Lycée inzwischen fester Gast alljährlich nach der Rentrée, ab Anfang September, wenn alle wieder zur Schule gehen und wieder ein Dupin-Krimi vor Ort gedreht wird.

Mit Hauptdarsteller Pasquale Aleardi, Schweizer mit Wohnsitz in Berlin, und mit all den anderen beliebten Darstellern, von Claire (Christina Hecke) bis Thierry Kadeg (Jan Georg Schütte), es sind alle im Film (bis auf die Komparsen) deutsche Schauspielerinnen und Schauspieler, die als Bretonen in den Filmen agieren und den „aus Paris“ eingewanderten Kommissar liebevoll in die bretonischen Lebensarten integrieren.

Pasquale Aleardi – auf Maigrets Spuren am Atlantik © ARD Degeto / filmpool fiction / Wolfgang Ennenbach 

Mit Kommissar Dupin die Bretagne entdecken

Vom Essen bis zu den Gebräuchen, von der Kultur bis zu den Launen der Natur, in allen Romanen entdecken wir als Leser und (meistens) Bretagne-Liebhaber, wie der Kommissar als Figur, immer wieder Neues, Interessantes und Liebenswertes über „unsere Bretagne“.

So erfüllen die Romane Jean-Luc Bannalecs, alias Jörg Bong, nicht nur die Ansprüche der Krimi-Fans, sondern sind eben auch Reiseführer und Ratgeber im kulinarischen und touristischen Sinne, was den Autor nicht daran hindert, auch noch ein Kochbuch mit bretonischen Rezepten, einen Fotoband, eine Sammlung von bretonischen „Legenden“ und aktuell einen Dupin-Bretagne-Reiseführer zu veröffentlichen, den er gemeinsam mit dem Bretagne-Kenner Manfred Görgens erstellte.

Ein Deutscher als Ehrenbürger der Stadt Concarneau

Die Zahl der Touristen in Concarneau hat sich auch dank all dieser Aktivitäten seit 2012 verdreifacht, insgesamt besuchen heute doppelt so viele deutsche Touristen die Bretagne als noch vor 11 Jahren und auch deshalb wurde Jean-Luc Bannalec alias Jörg Bong am 13. Januar 2023 zum Ehrenbürger der Stadt Concarneau ernannt. Bereits 2016 war er mit dem Ehrentitel „Mécène de Bretagne“ ausgezeichnet worden, weil man vor Ort seinen literarischen Einsatz für die Bretagne und die deutsch-französische Freundschaft in mehrerlei Hinsicht eben sehr zu schätzen weiß.

Inzwischen gibt es sogar offiziell geführte Bus-Reisegruppen zu den jeweiligen Ermittlungsorten von Kommissar Dupin und auch private Bretagne-Reisende legen sich entsprechende „Dupin-Reiserouten“ vorab genau fest, um auf den Spuren des fiktiven Ermittlers die vielfältigen Landschaften und Küsten der Bretagne kennenzulernen oder eben wieder zu erleben. Denn wer einmal der Bretagne „verfallen“ ist, das weiß nicht nur Jörg Bong, der kommt gerne und immer wieder zurück in das Keltenland am Atlantik.

Auf „Bretonische Nächte“ folgt „Bretonischer Ruhm“ Drehstart: September 2023 © ARD Degeto / filmpool fiction / Wolfgang Ennenbach 

Zum Autor

© Oliver Keymis

Oliver Keymis war Abgeordneter des Landtags Nordrhein-Westfalen von 2000 bis 2022 und dessen Vizepräsident von 2006 bis 2022. 2010 gründete er die deutsch-französische Parlamentariergruppe im Landtag NRW. Er leitete sie bis 2022. 

Seit 45 Jahren ist Oliver Keymis regelmäßig in der Bretagne und in Frankreich unterwegs. Heute lebt er zeitweise im südlichen Finistère und im Rheinland.

Dialog Dialogue

1 Kommentare/Commentaires

  1. Die Filme sind nur so lange interessant, so lange man die Bücher nicht gelesen hat. In den Büchern ist ein entscheidender Teil das Zusammenspiel der unterschiedlichen Charaktere, was in den Filmen leider nicht zum Tragen kommt. Schade

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