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Start-ups in Frankreich

Erfolgsmodell P2P

Von Miriam Balthasar

Über Sharing-Portale ein Segelboot mieten? Kein Problem! © Unsplash

18. Oktober 2019

AirBnB als Alternative zum Hotel, Blablacar statt teurer Mietwagen, Leboncoin statt Neukauf: die Sharing Economie (économie collaborative) erobert die Konsumwelt. Immer mehr französische Start-ups haben mit diesem Konzept auch auf dem deutschen Markt Erfolg.

In Frankreich boomt die Start-up-Kultur nicht erst seit heute. In den vergangenen Jahren haben zahlreiche Initiativen von La French Tech dazu beigetragen, dass sich die französische Start-up-Landschaft stark ausgeweitet hat und mit den amerikanischen und asiatischen Konkurrenten mithalten kann. La French Tech ist ein von der französischen Regierung unterstütztes Programm zur Start-up-Förderung, die sowohl finanzielle als auch unternehmerische Starthilfen umfasst.

Frankreich ist stolz auf seine Start-ups, möchte internationale Gründer anziehen und zur europäischen Start-up-Nation Nummer eins werden. Immer mehr der sogenannten Unicorns (Start-ups, die über 1 Million US-Dollar wert sind) generieren ihr Business-Modell aus der Sharing Economy: mit Blablacar etwa, der Nummer Eins der Mitfahrangebote, hat Frankreich eines der erfolgreichsten europäischen Start-ups hervorgebracht.

Auch in Deutschland boomen Start-ups; im Start-up-Paradies Berlin sprießen die jungen Firmen wie die Pilze aus dem Boden; auch hier gibt es zahlreiche Förderprogramme des Wirtschaftsministeriums und privater Stiftungen und Investoren. Aber in Deutschland sind Startups der Sharing Economy weitaus weniger häufig vertreten als in Frankreich – erst recht nicht unter den Unicorns, den Einhörnern.

Auf dem Wasser, zu Lande, in der Luft

Gerade im Bereich Tourismus und Reisen sind in den letzten Jahren viele erfolgversprechende junge Unternehmen gegründet worden, die das Konzept der Sharing Economy umsetzen und damit die Branche aufmischen. Denn die junge Generation der Millennials (Jahrgänge 1983 bis 1994) und die Generation Z (ab Jahrgang 1995) folgt gerne neuen Reisetrends, die im besten Fall wenig kosten und nachhaltig sind – zwei Bedingungen, die das P2P-Sharing (Peer to Peer = unter Privatpersonen) erfüllt. Insbesondere französische Start-ups verfolgen dieses Business-Modell und haben damit auch in Deutschland großen Erfolg.

Das französische Start-up Drivy, spezialisiert in der Privatvermietung von Automobilen, ging 2010 an den Start und ist heute in ganz Europa erfolgreich. Das Konzept: Wenn das Auto nicht vom Inhaber gebraucht wird, wird es über die Plattform anderen Nutzern zur Verfügung gestellt – zu einem wesentlich günstigeren Preis als ein klassischer Mietwagen. Das bedeutet Nebeneinkünfte für den Vermieter, Ersparnisse für den Mieter und eine Provision für den Vermittler – eine klare Win-win-Situation!

Die Gründer von SamBoat haben das Geschäftsmodell auf die Bootsbranche übertragen, wo die vorhandenen Ressourcen in der Regel höchst ineffizient genutzt werden: Viele Besitzer haben weder Zeit noch Lust, ihr Boot länger als ein paar Wochen im Jahr zu nutzen, müssen aber teure Instandhaltungskosten und Hafenliegeplätze bezahlen. Über SamBoat bieten Bootsbesitzer ihre Schiffe zur Miete an, treten in Kontakt zu den Nutzern und generieren so Nebeneinkünfte. Das „AirBnB der Boote“ wurde 2014 in Frankreich gegründet und internationalisierte sich schnell – auch die deutsche Site Samboat.de ist ein voller Erfolg. „Wir sehen eine extrem hohe Nachfrage der deutschen Kunden, was definitiv für starkes Marktpotential spricht!“ erklärt Eva Bernhard, Country Managerin bei SamBoat.

Wer lieber auf dem Land bleibt, findet auch dort jede Menge Sharing-Angebote: Ein Wohnmobil privat mieten? Kein Problem: Yescapa, eine weiteres erfolgreiches französisches Start-up, bringt Mieter und Vermieter von Campingwagen zusammen. Wie bei SamBoat sind alle angebotenen Fahrzeuge versichert und ein mehrsprachiger Kundenservice bietet im Notfall Hilfe.

Selbst Flugzeuge sind über Sharing-Plattformen günstiger. Das von zwei Franzosen und einem Deutschen gegründete Start-up-Unternehmen Wingly bezeichnet Deutschland mittlerweile als einen seiner der Hauptmärkte.

Weltweiter Wachstumsmarkt

Aktuelle Zahlen bestätigen den Trend: Das Überlassen privat genutzter Besitztümer an Fremde wird immer weniger mit Skepsis gesehen. Noch ist Frankreich im Europa-Ranking Spitzenreiter, was die Nutzung von Sharing-Angeboten angeht: 36 Prozent der Verbraucher nutzen Sharing-Plattformen laut einer Statista-Umfrage von 2016 aktiv. Gleich dahinter folgt Spanien mit 32 Prozent. Die Deutschen belegen aktuell den 4. Platz (20 Prozent); sie sind eher skeptisch, wenn es darum geht, ihr Eigentum anderen zu überlassen – und sei es nur auf Zeit. Experten hingegen sind sich einig: die Sharing Economy ist ein weltweiter Wachstumsmarkt.

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