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Französische Spielcasinos

Faites vos jeux

Martin Vogler

© Adobe Stock

11. September 2022

Immer seltener ertönt im Glücksspiel-Paradies Frankreich die Aufforderung eines seriös gekleideten Croupiers, beim Roulette Jetons zu setzen: Laute Automatensäle haben den einstigen Glamour aus den Casinos weitgehend verdrängt.

Rein zahlenmäßig spielt Frankreich mit rund 200 Spielcasinos weiterhin in der Top-Liga – das sind rund dreimal so viele wie in Deutschland. Hier werden jährlich Milliarden Euro erwirtschaftet. Das freut die jeweiligen Gemeinden – wenn sie am Gewinn beteiligt sind.

Unzählige kleine Spielbanken

Das französische Gesetz erlaubt Casinos außer in Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern ausschließlich in Bade-, Kur und Luftkurorten. So erklärt sich, dass in Frankreich – einem Land mit schier unzähligen kleinen Kurorten – ebenso unzählige, kleine Spielbanken mit ihrem besonderen, sprich etwas angestaubten Reiz existieren. Der Besuch dort wirkt oft, atmosphärisch und architektonisch, wie eine Zeitreise, auch wenn zunehmend Modern-Funktionales in Form von lautstarken Spielautomaten das Althergebrachte verdrängt hat.

Spielautomaten wie diese haben in Frankreich seit langem Einzug in die Casinos gehalten – sie stehen für 84 Prozent des Umsatzes. © Unsplash

Wer an glanzvolle Casinos in Frankreich denkt, dem fällt meist das in Monte-Carlo ein, obwohl das prunkvolle Gebäude von 1863 gar nicht in Frankreich, sondern im Fürstentum Monaco liegt. Der Architekt Charles Garnier, der auch die Pariser Oper schuf, ließ hier rund ums Glückspiel einen ebenso prunkvollen wie noblen Ort entstehen. Ebenfalls eindrucksvoll – schon allein wegen ihrer Lage in prestigeträchtigen und zumindest einst mondänen Badeorten – sind die Casinos von Biarritz, Nizza oder Deauville.

Solche Häuser sind meist baulich – in Monaco durch einen legendären Tunnel – mit Luxushotels verbunden. Angeschlossen sind folglich auch Restaurants, Ausstellungsräume und Veranstaltungssäle. Der palastartige Bau von Deauville beherbergt sogar drei Restaurants, drei Bars, eine Diskothek, einen Ballsaal und ein italienisches Theater im Stil des 18. Jahrhunderts; im Kino laufen die Filme des in Deauville beheimateten Festivals des amerikanischen Films.

Vor dem Casino von Deauville, © Adobe Stock

Reizvoller als die großen Häuser sind die zahlreichen kleinen Stätten des Glücksspiels, die allerdings seit Jahren einem Wandel unterliegen. Beispiel Fumades-les-Bains: Den Mini-Kurort im Département Gard zwischen Rhône und Cevennen schätzten schon die Römer wegen seines schwefelreichen Wassers. Er gehört zur Gemeinde Allègre, die mit allen Ortsteilen weniger als 1000 Einwohner zählt. Neben einem Kurpark und Thermen gibt es ein recht kleines Casino, das vor der Jahrtausendwende mit seinem baulichen Charme beeindruckte. Heute wirkt alles moderner und nüchterner: Doch bis drei Uhr, bzw. am Wochenende sogar bis vier Uhr morgens, kann man hier sein Glück versuchen – vor allem an einem der 75 Automaten oder am elektronischen Roulette.

Rien ne va plus

In solch kleinen Häusern sucht man die klassischen Tischspiele (Jeux de table) mit rollenden Roulette-Kugeln oder Pokerrunden oft vergeblich, denn diese personalintensiven Glücksspiele lohnen sich kaum noch. Wenn überhaupt, werden deren Tische erst in den Abend- und Nachtstunden geöffnet. Die Statistik untermauert den Trend: Die Spielautomaten liefern frankreichweit rund 84 Prozent der Umsätze, elektronische Roulette- und Blackjack-Spiele rund zehn Prozent. Die übrigen, klassischen Spiele steuern nur noch etwas mehr als fünf Prozent zum Umsatz bei. Die meisten der rund drei Millionen Gäste pro Jahr haben sich entsprechend angepasst: Statt nobler, oft geselliger Runden überwiegen in den Sälen schweigsame Paare und Einzelspieler, die konzentriert das Rollen der Walzen ihrer Automaten verfolgen und blitzschnell auf Tasten drücken.

Das Casino von Contrexéville, © Martin Vogler

Solche Glücksritter prägen auch das Bild an den 75 Automaten im Casino von Contrexéville und seinen zwei Sälen. Der kleine Belle-Époque-Kurort am Rande der Vogesen leidet zwar unter Leerständen, erfreut sich aber weiterhin großer Beliebtheit bei Kurgästen und ist dank seines Mineralwassers der Marke Contrex vor allem in Frankreich sehr bekannt. Das kleine Casino befindet sich seit 1900 in einem Gebäude mit beeindruckender klassischer Fassade. Innen überrascht vor allem im hinteren Spielsaal die Architektur mit prunkvollen Deckengewölben. Außer mit seinen sehenswerten Veranstaltungsräumen punktet es auch mit einem reizenden kleinen Lese- und Konversationssaal, in dem gelegentlich Kunstausstellungen stattfinden.

Generell ist die Vogesen-Region eine gute Adresse für alle, die kleine Casinos schätzen. Baulich imposant und überaus originell ist das in Plombières-les-Bains, einem einst sehr renommierten Kurort, der sogar eine direkte Eisenbahnverbindung nach Paris hatte. Just in dem längst stillgelegten Bahnhof ist seit mehr als 20 Jahren die Spielbank untergebracht. Gespeist wird passend im plüschigen Stil in oder neben einem alten Eisenbahnwagen im Restaurant „Le wagon“.

Im Restaurant Le wagon, © Casino de Plombières-les-Bains

Neben den Casinos in Garardmer, Bussang und Bourbonne-les-Bains wirbt auch das – architektonisch schmucklose – Haus in Vittel intensiv um Gäste, die praktischerweise gleich im benachbarten Hotel absteigen können. Auffällig: Beim Besuch bietet man die Erstattung der Autobahngebühr und ein kostenloses, kleines Buffet an. Das Casino mit seinen 75 Automaten versucht so, Spieler anzulocken, obwohl Vittel als Kurort – und Mineralwassermarke – in Frankreich durchaus einen Namen hat.

Spieler-Eldorado Côte d’Azur

Derlei Werbemaßnahmen hat man an der Côte d’Azur nicht nötig. Allerdings konkurrieren zwischen Esterel-Gebirge und italienischer Grenze gleich zwölf sehr unterschiedliche Casinos um die Gunst der Besucher. Zahlenmäßig hat Cannes mit drei Etablissements die Nase vorn. Nizza (Ruhl und nahe daneben im Palais de la Méditerranée) sowie Antibes (eines in Juan-les-Pins und La Sieste außerhalb am Strand in Richtung Nizza) beherbergen jeweils zwei. Die meisten Häuser wirken von außen nüchtern-modern, lediglich das in Beaulieu-sur-Mer punktet mit seiner Belle-Époque-Architektur und das in Menton mit vom maurischen Stil beeinflussten Art Déco.

Das Casino im Festival- und Kongresspalast ist in Cannes nur eines von dreien, © Adobe Stock

Forges-les-Eaux, Amnéville, Bussang, Enghien-les-Bains

Intensiver um Gäste bemühen müssen sich Casinos in Regionen mit wenig touristischen Attraktionen. Ein treffendes Beispiel hierfür: Forges-les-Eaux, das abgeschieden im Département Seine-Maritime liegt. Die 4000-Einwohner-Gemeinde lockt ihre Besucher außer mit Wanderrouten daher vor allem mit seinem Grand Casino, das sie als „Freizeitstätte“ bezeichnet. Der größte Teil der Gäste, die nebenan im Hotel übernachten können, dürfte ausschließlich wegen der üblichen Spielautomaten, Roulette, Black Jack oder Poker hierherkommen.

Auch eines der größten Spielcasinos des Landes liegt in einer wenig attraktiven Gegend – im ehemaligen Bergbaugebiet von Amnéville nördlich von Metz. In einem weitläufigen Neubau-Areal voller Freizeitmöglichkeiten mit (Ketten-)Gastronomie, Hotels, einem Zoo, riesigen Parkplätzen und einer Skihalle lockt hier das „Seven Casino“. Die Räume mit ihren rund 300 Automaten und elektronischen Tischspielen wirken gigantisch. Abends bietet der Betreiber zusätzlich bis zu vier Poker- und neun Roulette-Tische an.

Das Casino scheint zu florieren, auch dank der vielen Gäste aus dem nur 50 Kilometer entfernten Luxemburg oder aus dem nahen Westen Deutschlands. Die Grenznähe ist übrigens auch im sehr kleinen Bussang im südlichen Elsass der Garant, dass auch Deutsche in die Spielhallen strömen. Ähnliches gilt für Niederbronn-les-Bains weiter nördlich.

Am See von Enghien-les-Bains, © Adobe Stock

Eine nur sieben Kilometer nahe Grenze – in diesem Fall die zur mit legalen Glückspielmöglichkeiten nicht sehr gesegneten Hauptstadt Paris – ist der große Trumpf von Enghien-les-Bains. Die 12.000-Einwohner-Gemeinde lockt zwar mit einem stilvollen See, vor allem aber mit seiner 1901 eröffneten Spielbank. Das Gebäude diente schon als Theater und Krankenhaus; vor 20 Jahren aber wurde das Casino gründlich renoviert. Heute gilt es als das umsatzstärkste Haus in Frankreich, mit allein 500 Automaten, aber auch zahlreichen klassischen Tischspielen. Dass hier, nur 14 Kilometer vom Pariser Triumphbogen entfernt, Hotels, Theater, Veranstaltungssäle, Restaurants, Bars und ein Wellnessbereich zum Angebot gehören, versteht sich von selbst.

Schwellenangst braucht übrigens niemand zu haben, der in Frankreich ein Casino betritt. „Tenue correcte exigée“ heißt der Begriff, mit dem den Besuchern nahegelegt wird, sich angemessen zu kleiden und auch zu verhalten. Das heißt aber schon lange nicht mehr, dass Herren nur mit Krawatte und Jackett die Räume betreten dürfen. Die Anforderungen an die Kundschaft werden in der Praxis oft sehr großzügig ausgelegt, es gibt sogar Casinos die offiziell und ausdrücklich legere Kleidung erlauben. Zumindest in den Automatensälen tummelt sich die Kundschaft in Freizeitmode, inklusive Jogginghosen. Die Grenze scheint vielerorts erst bei Badekleidung erreicht zu sein. Oder bei Baseball-Caps: Deren Träger werden schon mal lautstark vom Sicherheitspersonal bei der Einlasskontrolle zum Abnehmen ihrer Kopfbedeckung aufgefordert.

Frankreichs Spielcasinos

  • Im Internet finden sich Listen aller französischer Casinos (z. B. casinosavenue), oft mit Suchfunktion nach den jeweils angebotenen Spielen – Automaten, Roulette, Blackjack, Baccarat, Poker(varianten) etc.
  • Mehr als die Hälfte der französischen Casinos gehören zu großen Betreiber-Gruppen wie Barrière oder Partouche.
  • Wer ein Casino besucht, muss sich mit seinem Ausweis registrieren lassen und mindestens 18 Jahre alt sein.
  • Die Konkurrenz von Online-Casinos erschwert den französischen Casinos vor Ort seit einer Gesetzesliberalisierung im Jahr 2010 das Geschäft: Das Online-Angebot ist in Frankreich weitaus umfangreicher und vielfältiger als in Deutschland, cf. gamblingngo.

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1 Kommentar/Commentaire

  1. Das macht Lust auf ein Spielchen an außergewöhnlichen Orten – ein Artikel wie immer gut recherchiert, mit viel Charme und unterhaltsam geschrieben! Ich hoffe, der Schreiber hat auf der Suche nach neuen Storys weiterhin eine Glückssträhne!

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