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Unesco

Frankreichs reiches Welterbe

Von Birgit Holzer

Der Mont-Saint-Michel gehört seit 1979 zu den ersten Unesco-Welterbestätten in Frankreich. © Rita Burza, Unsplash

10. September 2021

Frankreich verfügt nun offiziell über 49 von der Unesco ausgezeichnete Natur- und Kulturstätten, Bauwerke und Städte und zählt damit weltweit zur Spitzengruppe: 2021 kamen drei neue hinzu.

Bis 2019 und zum Ausbruch der Corona-Pandemie zog Frankreich dank seiner kulturellen, historischen und geographischen Schätze Jahr für Jahr fast 90 Millionen Besucher an – mehr als jedes andere Land der Welt. Seit jeher gehört es zu den Ländern, die über die meisten von der Unesco – deren Hauptsitz sich in Paris befindet – als Kulturerbe ausgezeichnete Stätten verfügen.

2021 wuchs deren Zahl erneut: Auf seiner jüngsten Sitzung im chinesischen Fuzhou Ende Juli 2021 entschied das Welterbe-Komitee, drei weitere französische Kandidaten auf die Welterbe-Liste zu setzen: Nizza, Vichy (als Teil der europäischen Kur- und Bäderkultur) und den Leuchtturm von Cordouan. Somit befinden sich nun offiziell 49 der weltweit in 167 Ländern 1154 ausgezeichneten Stätten in Frankreich (Deutschland: 51). Hinzu kommt das „immaterielle Kulturerbe“, zu dem u. a. (seit 2010) die französische Küche gehört.

Nizza, Hauptstadt des Riviera-Tourismus

Auf der Promenade des Anglais, © Alice Sidorova, Unsplash

Ab Mitte des 18. Jahrhunderts zog die Stadt an der Côte d`Azur, bekannt für ihr mildes Klima im Winter, als Kurort wohlhabende und aristokratische Familien vor allem aus England an. Aus dieser Zeit stammt auch die Gestaltung der Promenade des Anglais, der von Palmen gesäumten Strand-Promenade mit ihren strahlenden Stadt-Palais und ihrer britisch angehauchten Architektur.

Im Laufe der Jahre gelang es Nizza, vor alpiner Kulisse angenehm in mediterraner Landschaft gelegen, sich vom beliebten Winterkurort zu einer kosmopolitischen Regionalmetropole zu entwickeln, die das ganze Jahr über Gäste anzieht. Für die Auszeichnung als Welterbe hat die Unesco Nizzas architektonischen, landschaftlichen und städtebaulichen Vorzüge berücksichtigt. Der Klassifizierungsbereich, in der die Promenade des Anglais liegt, umfasst etwas mehr als 500 Hektar.

Der Kurort Vichy

Célestins ist eine der sechs noch genutzten Quellen Vichys. © Hugo Chimier, Unsplash

Nach einer Wartezeit von mehr als neun Jahren und im Rahmen einer transnationalen gemeinsamen Bewerbung von elf Kur- und Badeorten aus verschiedenen europäischen Ländern (darunter drei in Deutschland: Bad Ems, Baden-Baden und Bad Kissingen), wurde Vichy 2021 als Welterbe ausgezeichnet.

Damit erkannte die Unesco das europäische Kulturerbe der Kur- und Bäderkultur an, die sich in mehr als 2000 Jahren zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig entwickelt hat – mitsamt der ihr eigenen Architektur und einer umfassenden Expertise rund um medizinische Anwendungen von Wasser aus Natur(heil)quellen.

Die Kurstadt Vichy und ihre 34 herausragenden Stätten – vom Großen Casino über die Trinkhalle der Quelle Lardy bis zum Castel Flamand – dürfte durch die Klassifizierung mit noch mehr Kurgästen und neuen Investitionen für den Ausbau ihrer thermalen Infrastruktur rechnen.

Der Leuchtturm von Cordouan

Die Steintreppe im Leuchtturm von Cordouan, © iStock

Der Bau  des Leuchtturms von Cordouan wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts vollendet. Er thront über dem größten Mündungsgebiet Frankreichs und Europas, dem Gironde-Ästuar, der an seiner Mündung bei Bordeaux zwölf Kilometer breit ist und insgesamt eine Fläche von 635 Quadratkilometern hat.

Mit 67 Metern Höhe ist er der älteste seiner Art in Frankreich, der noch in Betrieb ist. Sein monumentaler Kalksteinbau auf einem Felsplateau im Atlantik, der bei Ebbe besichtigt werden kann, gilt mit seinen Pilastern, Säulen und Wasserspeiern als architektonisches Meisterwerk und maritimes Kleinod; „König der Leuchttürme“ wird er auch genannt oder „Versailles der Meere“. Zuvor hatte die Unesco weltweit lediglich einen Leuchtturm zum Welterbe gekürt, den Herkulesturm in Spanien.

Weitere Kandidaten

34 weitere französische Kultur- oder Naturstätten, Bauwerke oder Städte bemühen sich derzeit um eine Klassifizierung der Unesco als Welterbe, darunter:

Die Straße von Bonifacio

Bonifacio, Korsika, © Shutterstock

Die Meerenge Straße von Bonifacio (Les Bouches de Bonifacio) liegt zwischen Korsika und Sardinien. Seit 2012 ist diese windreiche zwölf Kilometer breite und 70 Meter tiefe Passage ein internationaler Naturpark – Schiffe dürfen hier keine umweltschädlichen Produkte transportieren, um die Artenvielfalt und nahen Felsenlandschaften nicht zu gefährden.

D-Day Landungsstrände

© John Gomez, Shutterstock

Am 6. Juni 1944 begann an mehreren Stränden der Normandie die größte Militäroperation des Zweiten Weltkrieges. An einem einzigen Tag landeten hier rund 150.000 Soldaten der alliierten Truppen an einer insgesamt 80 Kilometer langen Küste, um die Nazi-Herrschaft zu beenden. Diese Strände mit den Codenamen Sword, Juno, Gold, Omaha und Utah bleiben wichtige Zeugen für das düsterste Kapitel der europäischen Geschichte im 20. Jahrhundert.

Die Marquesas-Inseln

Ua Huka im Archipel von Marquesas, Französisch-Polynesien © Thomas Athenol, Shutterstock

„Die Zeit bleibt stehen auf den Marquesas“ sang Jacques Brel (Les Marquises, 1977), und Paul Gauguin verbrachte hier seinen Lebensabend. Seit über 20 Jahren bemühen sich die Marquesas-Inseln, einer der fünf Archipel von Französisch-Polynesien, um die Anerkennung als Welterbestätte der Unesco.

Mit ihren Bergspitzen von mehr als 2000 Metern, ihren paradiesischen Lagunen mit fantastischer Fauna und der einzigartigen Vegetation sind die Marquesas-Inseln ein weiterer Beweis für die Vielfalt französischer Naturstätten. Bei seiner jüngsten Reise in die Region versprach der französische Staatspräsident Emmanuel Macron, diese Kandidatur persönlich zu unterstützen.

Die Salzgärten von Guérande

© Mathieu Arnaudet, Shutterstock

Die Feuchtgebiete Salines de Guérande mit 2000 ha Salzfeldern und 7000 Kristallisationsbecken der bretonischen Gemeinde Guérande an der Atlantikküste, nur wenige Kilometer von Saint-Nazaire entfernt, sind einzigartig – zugleich natürlich entstanden als auch seit Jahrhunderten von Menschenhand gepflegt und gestaltet. Trotz der fortschreitenden touristischen Entwicklung der Region blieben sie ein singulärer Ort mit reicher Fauna und beeindruckenden natürlichen Farben, die je nach Tageslicht wechseln.

Hangar Y

© Art Explora, Foto: Sandra Matamoros

Ein erstaunlicher Name und ein erstaunliches Projekt, dessen Kandidatur Frankreich seit fast 20 Jahren unterstützt. In diesem ursprünglich als Luftschiffhalle mit einer Länge von 70 Metern, einer Breite von 24 Metern und einer Höhe von 26 Metern genutzten ältesten Hangar der Welt, südwestlich von Paris in Meudon gelegen, fand ab 1877 der Bau erster steuerbarer Luftfahrzeuge statt – das Äquivalent in Deutschland dazu war der Zeppelin.

Die Architektur des Hangars weist Elemente einer Eisenkonstruktion auf, die der Architekt Henri de Dion für die Pariser Weltausstellung von 1878 verwendet hatte. Von hier aus startete 1884 das Luftschiff La France zum weltweit ersten vollständig gelenkten Flug – in einem Radius von ca. 7,6 Kilometer über den Wald von Meudon und die Ortschaft Villacoublay.

Ab 2022 wird die Kulturstiftung Explora den Hangar zu einem „der Wissenschaft gewidmeten Ort der Kultur“ und mitsamt des umliegenden Parks der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Alle französischen Unesco-Stätten und -Kandidaten

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