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Präsidentschaftswahl 2022

Unter Beobachtung in Paris

Von François Daniel

Der Élysée-Palast in Paris, Sitz des Präsidialamtes der französischen Republik und Amtssitz des Staatspräsidenten, © franceaucanada

10. April 2022

Nach der Bundestagswahl 2021 in Berlin haben das Bureau International de Liaison et de Documentation (BILD) und die Gesellschaft für übernationale Zusammenarbeit (GÜZ) in Kooperation mit dem Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW) vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich 2022 ebenfalls ein Wahlbeobachtungsseminar durchgeführt.

24 politikbegeisterte junge Menschen aus Frankreich und Deutschland haben sich erneut getroffen, diesmal in der französischen Hauptstadt, um die Wahl zu verfolgen, das Wahlsystem besser zu verstehen und gemeinsam das Engagement von jungen Bürgerinnen und Bürgern zu beleuchten – natürlich stets aus einer deutsch-französischen und europäischen Perspektive.

Den Anfang machte Christoph Arend, französischer Vorstandsvorsitzender der Deutsch-Französischen Parlamentarischen Versammlung und Abgeordneter des Departements Moselle, der in einem freundschaftlichen und offenen Dialog einen Einblick in die Funktionsweise der DFPV gab. Anschließend fand ein Kennenlernabend statt, bei dem die alten und neuen Mitglieder der Gruppe ins Gespräch kamen.

Die Verbindung von Medien und Wahlkampagne

Der erste Seminartag begann mit einer Begegnung mit Anne Tallineau, der französischen Generalsekretärin des DFJW in dessen Pariser Hauptsitz. Sie nahm sich Zeit, um auf Fragen einzugehen – in Bezug auf die Rolle des DFJW, ihre Aufgaben und ihren Alltag, das Engagement junger Menschen und die bevorstehende Wahl.

Danach folgte eine Begegnung mit Léonardo Kahn, der aus Paris für deutsche und luxemburgische Zeitungen über Wahlen berichtet. Das Gespräch war der Anlass, sich genauer mit der Bedeutung und den möglichen Auswirkungen der Wahl auseinanderzusetzen, mit der Rolle der Medien und insbesondere der sozialen Medien auf die Wahl.

Im Produktionsstudio von „28 Minuten“, © DFJW, BILD

Im weiteren Seminarverlauf besuchte ein Teil der Gruppe die Studios, in denen die Sendung „28 Minuten“ („28 minutes“) aufgenommen wird, die der deutsch-französische Sender mit europäischer Ausrichtung arte ausstrahlt. Die anderen Teilnehmenden befragten französische Bürgerinnen und Bürger im Rahmen einer Umfrage zu vier Themen: „Wie informieren sich junge Menschen über die Wahl?“, „Die Auswirkung der sozialen Medien auf die Demokratie“, „Die Gründe der Wahlenthaltung oder des vote blanc“ und „Die Demokratie auf dem Prüfstand?“

Am Abend traf sich die gesamte Gruppe nach einem regnerischen Tag zum Austausch und gemeinsamen Abendessen in einem charmanten indischen Restaurant,

Frankreich hält den Atem an

In Frankreich herrscht 48 Stunden vor dem ersten Wahlgang „Wahlstille“ (silence électoral). Am Freitag vor der Wahl ist der Wahlkampf um 24 Uhr offiziell beendet, und man darf sich nicht mehr öffentlich zur Wahl äußern.

Am Samstag begab sich die Gruppe nach einem theoretischen Workshop zum genauen Ablauf der Wahl und über die diesjährigen Kandidaten und Kandidatinnen zur Place de la Bastille, dem symbolischen Ort der Revolution, um die letzte Demonstration vor dem Wahlgang zu beobachten.

Der frankreichweite Aufruf zu Demonstrationen kam von verschiedenen Vereinen, NGOs und Initiativen und hatte das Ziel, kurz vor der Wahl auf aktuelle, dringliche Probleme aufmerksam zu machen: der Krieg in der Ukraine, die Klimakrise, die Pandemie, die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich, die zunehmende Verbreitung von Hass, Sexismus und Geschlechtergerechtigkeit … auf den Transparenten dieses „Marche pour le futur“ („Demonstration für die Zukunft“) ging es um zahlreiche Themen. Die Teilnehmenden am Seminar ergriffen die Gelegenheit, um die Demonstrantinnen und Demonstranten zu den Beweggründen ihrer Unzufriedenheit zu befragen.

Eine „Demonstration für die Zukunft“ in Paris am Vortag der Wahl, © BILD

Abends stand mit Incredibly Incroyable 2.0, einer One-Man-Show zum Brexit und anderen, tagesaktuellen Themen, Kultur im Théâtre de la Ville auf dem Programm. Im Anschluss unterhielt sich die Gruppe mit dem Regisseur und Darsteller, Bertrand Bossard. Die Reaktionen waren unterschiedlich, manche konnten mit dem Stück mehr anfangen, andere weniger – aber es war auf jeden Fall Anlass für lebhafte Gespräche.

Der große Tag …

Am Tag des ersten Wahlgangs standen drei Punkte auf dem Programm:

Unter der Anleitung des Medienpädagogen Florian Jacobsen, der die Gruppe auch schon in Berlin begleitet hatte, erstellten die Teilnehmenden eigene Podcasts. Nach einer kurzen Einführung in die Herstellung eines Podcast – u. a. Tonaufnahme und Schnitt – konzentrierten sie sich auf das Schreiben ihrer Skripte und der Fertigstellung der Podcasts, die hier und unter dem Artikel abrufbar sind.

Der Besuch von Wahllokalen schließlich ermöglichte wertvolle Einblicke in den genauen Ablauf einer Wahl in Frankreich und zeigte den Unterschied zu Wahlen in Deutschland.

Die Ergebnisse verfolgte die Gruppe in dem Begegnungsort La Base, wo das unabhängige Medium Reporterre live eine Radiosendung mit Publikum übertrug. Auf dem Programm standen die Analyse der Wahlergebnisse, Musik, Verpflegung, Getränke und Debatten..

Auf dem Weg zum zweiten Wahlgang

Schon war das Seminar fast zu Ende. Nach dem letzten Feinschliff an den Podcasts, einer internationalen Presseschau zu den Reaktionen auf die Wahl in europäischen Zeitungen und einer kurzen Auswertung richteten nun alle den Blick auf den zweiten Wahlgang.

Übersetzung: Anna Johannsen

Die Podcasts:

Jung und gut informiert?
Einfluss von Social Media auf die Demokratie
Wahlenthaltung und „vote blanc“
Herausgeforderte Demokratie?

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