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Skulpturenparks in Frankreich

Kunst unter freiem Himmel

Von Sophia Bonbon

Impluvium: Architektur und Skulptur, © Archives Fondation Maeght, Foto: Olivier Amsellem

10. September 2021

In Frankreich gibt es zahlreiche öffentlich zugängliche Skulpturenparks, in denen man sich entspannen und seine Gedanken schweifen lassen kann – zum Beispiel im Bourbonnais, in Kerguéhennec, Issoudun, Chaumont-sur-Loire und an der Côte d’Azur.

Skulpturenpark Engelbrecht

Einer davon ist der Skulpturenpark Engelbrecht. Erich Engelbrecht, 1928 in Bielefeld geboren, 2011 in Vichy gestorben, war ein Künstler, zu dessen Oeuvre Gemälde, Gobelins, Grafiken, Keramik und auch literarische Werke gehören. Seine monumentalen Skulpturen aus massivem Stahl, geformt mittels hochmoderner CNC-Technik, sind einzigartig und befinden sich auf dem von ihm erworbenen Gelände des Château des Fougis im Bourbonnais.

Die Domaine de Kerguéhennec

Das Schloss von Kerguéhennec, © Emmanuel Berthier

Weiter im Westen Frankreichs, nahe am Schloss der Domaine de Kerguéhennec, stammen die in einem großen Park ausgestellten Skulpturen hingegen von mehreren Künstlerinnen und Künstlern, was diesen Skulpturenpark sehr vielfältig macht. Alle haben einen Namen und erzählen eine Geschichte, z. B.:

  • Porte-vue von Keith Sonnier (geb. 1941 in den USA). Die Skulptur aus drei monumentalen Blöcken erinnert an antike Dolmen und steht wie sie strategisch günstig auf einer Anhöhe, von wo aus man einen guten Überblick hat.

Der Skulpturenpark von Issoudun

Vincent Mauger (geb. 1976), „La théorie des ensembles“ (Die Theorie der Gesamtheiten), 2018, © Musée de l’Hospice St-Roch

Der Skulpturenpark des Musée Hospice Saint-Roch im 14.000-Einwohner-Städtchen Issoudun (Departement Indre), durch das die Téols fließt, wurde erst im Februar 2020 eröffnet. Er zeigt auf einem großen Gelände hinter dem Museum Werke von derzeit 18 Künstlerinnen und Künstlern aus dem 20. und 21. Jahrhundert. Sie wurden aus Metall, Holz, Kunststoff, Stahl und Textil in einer Vielzahl von Formen und Größen gefertigt.

Eine der bewegendsten Skulpturen: Les Folles d’Enfer de la Salpêtrière von Makhi Xenakis, die eine beeindruckende Anzahl von Werken zu Ehren und zum Gedenken an die bis zu 8000 Frauen im Hôpital de la Salpêtrière, der größten psychiatrischen Anstalt im Frankreich Ludwigs XIV., geschaffen hat.

Eine Freilufthalle, in der die Sammlung zu einem Großteil integriert wurde, umfasst 5000 m² des ehemaligen Gemüsegartens des Hospizes. Sie erlaubt neue Perspektiven auf die Kapelle, auf die Fassade des Hospizes und auf das Stadtzentrum inklusive weißem Turm. Ein zusätzlicher Open-Air-Raum ist Skulpturen von den 1950er Jahren bis heute gewidmet. Zudem bereichern Leihgaben des Musée national d‘art moderne-Centre Pompidou, des Fonds national d‘art contemporain (FNAC) und aus Privatbesitz den Park.

Domaine de Chaumont-sur-Loire

Schloss Chaumont, © Philippe Devanne, Shutterstock

Das Renaissance-Schloss Chaumont, seit 1981 Unesco-Weltkulturerbe, thront oberhalb des Örtchens Chaumont-sur-Loire unweit von Blois direkt über dem Loire-Tal. 1550 erwarb Catherine de Médicis die Burganlage; 2007 wurde die Region Centre-Val de Loire Eigentümerin des Anwesens und verbindet heute in der Domaine de Chaumont-sur-Loire zeitgenössische Kunst, Gartenkunst und Unseco-Weltkulturerbe. Jedes Jahr lädt das Centre d‘Arts et de Nature der Domaine international bekannte bildende Künstler und Fotografen ein, neue und originelle Werke zum Thema „Natur“ vorzustellen.

Cornelia Konrads, Installation „Passage“, Domaine de Chaumont-sur-Loire, 2015, © Eric Sander

Im Rahmen eines Internationalen Gartenfestivals wurden seit 1992 mehr als 800 verschiedene Gärten angelegt – oft Prototypen künftiger Gärten. Die North American Garden Tourism Conference hat es 2014 als „Festival des Jahres“ ausgezeichnet.

Seit ihrer Gründung erhielt die Domaine wichtige Auszeichnungen, darunter die Label „Bemerkenswerter Garten“ und „Qualitätstourismus“; seit 2018  hat die Anlage 3 Sterne im Michelin-Führer.

Die Fondation Marguerite und Aimé Maeght

Alberto Giacometti, „L’homme qui marche I/II“, ,,Grande Femme debout I/II“, „Grande tête“, 1960;  Foto: Olivier Ansellem – Archives Fondation, © Succession Giacometti (Fondation Giacometti, Paris et ADAGP, Paris) 2021

Im südfranzösischen Saint-Paul-de-Vence, ein Städtchen mit 3477 Einwohnern im Departement Alpes-Maritimes, befindet sich unweit der Côte d‘Azur der Skulpturenpark der Stiftung Marguerite und Aimé Maeght.

Die am 28. Juli 1964 von André Malraux eingeweihte Stiftung entstand aus der Freundschaft von Aimé Maeght und seiner Frau Marguerite mit führenden Verlegern und Kunsthändlern im Europa der Nachkriegszeit – sowie einigen der wichtigsten Künstler des 20. Jahrhunderts: Joan Miró, Alexander Calder, Fernand Léger, Georges Braque, Alberto Giacometti, Marc Chagall u. a.

Aimé und Marguerite organisierten in ihrer Pariser Galerie legendäre Ausstellungen wie die Erste Internationale Surrealisten-Ausstellung 1947 (unter der Leitung von André Breton und Marcel Duchamp). Auf einer Reise in den Vereinigten Staaten in den 1950er Jahren entdeckten sie die Barnes-, Philips- und Solomon R. Guggenheim-Sammlungen; sie inspirierten sie dazu, die erste private Stiftung für Kunst in Frankreich zu gründen.

1953 ermutigte Georges Braque Marguerite und Aimé Maeght, einen neuen Ort für moderne Kunst zu schaffen; Joan Miró machte sie dazu mit dem Katalanen Josep Lluís Sert bekannt, ein befreundeter Architekt, der sein Atelier in Palma de Mallorca eingerichtet hatte.

Alexander Calder, „Les renforts“, 1964; Foto: Olivier Ansellem – Archives Fondation Maeght, © ADAGP, Paris 2021

Konzipiert als Ort des Experimentierens und des Austauschs, wurde die Stiftung für und mit Künstlern gestaltet. Maler und Bildhauer arbeiteten mit dem Architekten zusammen und schufen Werke, die in den avantgardistischen Gebäudekomplex und die ihn umgebende Natur integriert sind: der Hof von Giacometti, das Labyrinth von Miró, die Mosaik-Wandbilder von Chagall und Tal Coat, das Becken und das Glasfenster von Braque, der Bury-Brunnen. Die Innen- und Außenräume sind durch einen Skulpturengarten, Höfe, Terrassen und Patios, Ausstellungsräume, eine Kapelle, eine Bibliothek und eine Buchhandlung miteinander verbunden. Die Stiftung Maeght empfängt ihre Besucher an einem einzigartigen und zeitlosen Ort, an dem Kunst, Architektur und Natur perfekt harmonieren.

Als Humanist konzipierte Sert ein offenes und einladendes Künstlerdorf; als Modernist interpretiert er das mediterrane Dorf neu. Die Einfachheit der verwendeten Materialien – Ziegel, Terrakotta, Beton, Wände – werden zu einem Teil der Natur. Die Architektur verbindet Geometrie mit Funktionalität und der schlichten Klarheit von Formen und Räumen.

Joan Miró, „Le Labyrinthe“, 1964–1973, Foto: Olivier Ansellem – Archives Fondation Marguerite et Aimé Maeght, © ADAGP 2021

Durch die Schaffung von „Lichtfallen“ schafft Sert zudem indirekte natürliche Beleuchtung im Interieur. Auf nur 850 m² Ausstellungsfläche bietet er sowohl innen als auch im Außenbereich eine einzigartige und flexible Vielfalt an Volumen und Räumlichkeit.

Dem Enthusiasmus der Familie Maeght entsprach die Freundschaft der Künstler, die sich mit speziellen Arbeiten oder Spenden an dem Projekt beteiligten. So entwarf Miró unter dem Kiefernwald, der von der modernistischen Architektur Josep Lluís Serts dominiert wird, ein steinernes Labyrinth; die regungslosen Frauen und gehenden Männer von Alberto Giacometti bevölkern die Hofterrasse, die von halbrunden Impluvien überragt wird.

Insgesamt beherbergt das Gelände 35 seiner Skulpturen – nur die Giacometti-Stiftung in Zürich verfügt über eine größere Anzahl.

Links:
Die Welt der Form; 10 französische Skulpturenparks;
die virtuele Zukunft von Skulpturenparks

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